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Scan 117
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1Roma» (Rom, Alexander Gardane, 1585). Ausserdem ein Heft fünfstimmiger Madrigali von T. bei demselben Herausgeber 1576 und 1588.
3Tartini, Giuseppe, einer der grössten, wenn nicht der grösste Violinspieler des 18. Jahrhunderts, wurde nicht nur der Gründer einer Schule des Violinspiels, sondern auch eines neuen Harmoniesystems. Er ist am 12. April 1692 zu Pirano in Istria geboren, erhielt zuerst in seiner Vaterstadt Unterricht und besuchte dann in Capo-d'Istria die Schule Dei Padri delle scuole. Hier erhielt er auch den ersten Unterricht im Violinspiel und machte darin bald bemerkenswerthe Fortschritte. Seine Eltern wünschten einen Geistlichen, einen Franziskanermönch aus ihm zu machen, wogegen er aber, damals ein tollkühner und lebhafter Jüngling von 18 Jahren, eine gründliche Abneigung hatte. So ging er denn auf die Universität Padua, um die Rechtswissenschaft zu studiren. Begabt wie er war, behielt er hier neben seinen Studien noch Musse zu andern Dingen und übte in dieser Zeit mit Vorliebe auch die Fechtkunst. Er erwarb darin eine so grosse Geschicklichkeit, dass er in dem sicheren Gefühl derselben nicht allein Gelegenheit suchte, diese zu zeigen, und mehrere Duelle auszufechten hatte, sondern dass er sogar den Entschluss fasste, nach Paris oder Neapel zu gehen und von und für die Fechtkunst zu leben. Eine andere Leidenschaft verhinderte die Ausführung dieses Planes. Er hatte sich in eine junge Dame verliebt, eine Verwandte des Cardinals von Padua, Georg Cornaro, und heiratete sie heimlich, musste jedoch fliehen, sobald diese Thatsache bekannt wurde. Der Cardinal liess ihn gerichtlich verfolgen, und unter die Anklage der gewaltsamen Entführung stellen, und da ihm auch seine Eltern jede Hülfe verweigerten, so irrte Tartini lange umher, bis er in einem Mönchskloster zu Assisi, in welchem ein Verwandter von ihm Pförtner war, eine Zuflucht fand. Zwei Jahre verweilte er hier, bis ein Zufall dazu beitrug, ihn der Welt wieder zu geben. Während dieser unfreiwilligen Zurückgezogenheit beschäftigte er sich viel und immer mehr mit seiner Geige und unter Anleitung des Pater Boemo, eines ausgezeichneten Organisten, auch mit der Composition und der Kunst des Begleitens. Diese Beschäftigungen, die Ruhe des Ortes, vielleicht auch die kirchlichen Uebungen, hatten in Tartini eine vollständige Umwandlung hervorgebracht; er war ruhig, ja fromm geworden und blieb es auch fürs ganze Leben. Als er eines Festtages auf dem Chore des Klosters die Violine spielte, so erzählt man, habe der Wind den Vorhang in die Höhe gehoben, und ein Paduaner, der in der Kirche war, habe Tartini erkannt. Er brachte eiligst die Botschaft heim; der Cardinal aber hatte sich bereits zur Versöhnung bequemt, und so kehrte Tartini zu den Seinigen zurück. Bald darauf wurde er zu einer Akademie nach Venedig verschrieben und reiste mit seiner Frau dahin ab. Als er aber dort den berühmten Violinisten Veracini hörte, wurde er von dessen kühner Spielart so überrascht, dass er den andern Tag Venedig verliess, und nach Ancona ging, um den Gebrauch des Bogens zu studiren. Er brachte es auch in der Folge in der Kunst der Bogenführung zu einer bis dahin nicht gekannten Höhe. Während dieser Zeit des Studiums, im Jahre 1714, entdeckte er auch das Phänomen der sogenannten Combinationsstöne, des Mitklingens eines tiefen Tons, wenn zwei höhere consonirende angegeben werden, und gründete später hierauf ein Harmoniesystem, welches er in seinem »Tratatto di Musica« weitläufig darlegt. 1721 wurde er erster Violinist an der Kapelle der Kirche des heil. Antonius zu Padua, einer der besten italienischen Kapellen, welche aus 16 Sängern und 24 Instrumentalisten bestand. 1723 folgte er in Gemeinschaft mit seinem Freunde, dem Violinisten Antonio Vandini, einer Einladung nach Prag zur Krönung Kaiser Karl V. und beide traten dann in den Dienst des Grafen Kinsky. Hier hörte ihn Quanz, der aber bei weitem mehr von seiner Fertigkeit, als seinem Vortrage, der ihm nicht rührend genug war, erbaut wurde. Von Tartini weiss man jedoch, dass er die Fertigkeit der Finger nicht als die Hauptsache einer Kunstleistung ansah. »Das ist schön«, pflegte er zu sagen, wenn ein Geiger grosse
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