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Scan 15
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1Stellung auf dem System aufwärts oder abwärts gehenden Strich versehen; sie auf- oder abwärts streichen:
3Streicher, Johann Andreas, geboren zu Stuttgart am 13. Decbr. 1761, kam nach dem Tode seines Vaters auf die militärische Pflanzschule, welche 1771 der Herzog Karl von Württemberg gegründet hatte, die sogenannte »Karlschule«. Er war es, der seinen Mitschüler, den Dichter Friedrich Schiller, auf seiner Flucht von Mannheim nach Frankfurt begleitete und demselben in seiner damaligen Verlassenheit treu beistand. Erst im 17. Jahre konnte er sich der Ausbildung im Clavierspiel hingeben; dennoch erlangte er Fertigkeit und liess sich zuerst in München als guter Spieler in der Manier Kozeluch's öffentlich hören. 1793 kam er nach Augsburg, wo er sich in demselben Jahre mit Nanette, der Tochter des berühmten Orgel- und Instrumentenbauers Stein (s. d. Art.) verheiratete. Das junge Paar liess sich in Wien nieder und Streicher, der sich hier ebenfalls als Clavierspieler bekannt machte, fand später in der, von seiner Frau geleiteten Pianofortewerkstatt Gelegenheit, sich mit dem Bau der Instrumente zu beschäftigen. Er veränderte das bisherige System, indem er das Hammerwerk über den Saitenbezug legte, worauf der Ruf der Streicher'schen Pianoforte sich immer noch mehr ausbreitete. Dasselbe System wurde von Pape in Paris (s. d. Art.) noch vervollkommnet. St. starb vier Monate nach dem Tode seiner Frau am 25. Mai 1833. Bekannt von ihm ist ein Rondeau mit acht Variationen: »The Lass of Richmond's Hill« (München, Falter). Zwölf Variationen für Clavier (Mannheim, Heckel).
5Streicher, Nanette, Gattin des Vorigen und Tochter des mehrerwähnten Orgelbauers Stein zu Augsburg, geboren am 2. Januar 1760, war, vom Vater ausgebildet, eine geschickte Clavierspielerin, die 1787 ein Clavierconcert öffentlich spielte. Nach ihrer Verheiratung mit Streicher 1793 gründete sie in Wien eine Pianofortefabrik, in welcher ihr Bruder (s. Art. Stein) die technische Leitung übernahm. Diese Fabrik gehört zu den berühmtesten ihrer Zeit. Noch fällt auf Nanette Streicher ein freundlicher Strahl, denn sie ist Jahre hindurch bemüht gewesen, dem grossen Beethoven, dem die sorgende Frauenhand fehlte, in seinen häuslichen Bedrängnissen hilfreich zu sein. 1813, als sie seine Häuslichkeit in höchster Verfallenheit fand, nahm sie sich desselben durchgreifend an, sie ordnete erst die Garderobe, dann das Hauswesen und bewog ihn zu praktischen Veränderungen desselben, wurde überhaupt nicht müde, nach dieser Seite hin »dem grossen Unmündigen« zu rathen und zu helfen.
7Streichchor nennt man einen Chor von Streichinstrumenten zum Unterschiede vom Streichquartett (s. d.). In der Regel ist auch er wie dies aus ursprünglich vier Stimmen zusammengesetzt: zwei Geigen, Bratsche und Cello, aber bei diesem ist jedes dieser Instrumente nur mit je einem Spieler besetzt, bei jenem aber mit mehreren und zum Cello tritt dann auch noch verstärkend der Contrabass hinzu. So wird der Streichchor in der Regel im Orchester verwendet. Wie in älterer Zeit von Lully, Gluck, Händel, Bach u. a. ist er auch in neuerer Zeit wieder in selbständigen Orchesterstücken benutzt worden, wie von O. Grimm in der Suite in Canonform, und von Volkmann.
9Streichinstrumente heissen bekanntlich die Saiteninstrumente, deren Saiten durch Anstreiben mit dem Bogen zum Tönen gebracht werden. Sie bestehen aus dem Körper oder Kasten (Resonanzkasten), durch dessen Mitklingen der Ton wesentlich verstärkt wird, dem Hals und Griffbrett und vier Saiten, die über den Steg und das Griffbrett gezogen sind, am Ende des Resonanzkastens an dem Saitenhalter, am Ende des Halses, am Kopfe in einer Höhlung desselben, im sogenannten Wirbelkasten an Wirbeln befestigt sind. Der Bogen, mit dem die Saiten gestrichen werden, ist ein etwas eingebogener, nicht starker Stab, an dessen Spitze eine Strähne Rosshaare befestigt ist, am andern
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