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Scan 16
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
14 lines. Read by computer on 17 September 2026. Printed page 10. See the scan on archive.org.
1Ende ist diese in den sogenannten Frosch eingeleimt, der vermittelst einer Schraube an dem entgegengesetzten Ende des Bogens festgeschraubt wird, so dass die Haare die gleiche Richtung — selbstverständlich ohne die Abweichung von der graden Linie — mit der Stange haben. Die tonangebenden Theile der Saiten werden durch den Steg und den obern Rand des Griffbretts, den sogenannten Sattel abgegrenzt; für den Bogen aber bleibt nur der Raum zwischen Steg und Griffbrett zum Streichen.
3Nach der Grösse des Körpers und der dadurch bedingten Länge und Stärke der Saiten unterscheiden wir mehrere Arten von Streichinstrumenten: gegenwärtig sind nur vier Arten in unserm Orchester in Gebrauch: Violine (Geige), Viola (Bratsche), Violoncello und Contrabass. Die Violine als die kleinste Art hat die höchste Lage; ihre Saiten sind in Quinten, kl. g, d¹, a¹, e² gestimmt; die Bratsche aber steht eine Quinte tiefer, sie verliert die E-Saite, die A-Saite wird ihre höchste und gewinnt dafür die Quinte nach unten in der C-Saite, das Violoncell aber ist noch grösser gebaut, so dass seine Saiten eine Octave tiefer gestimmt werden. Diese drei Instrumente haben demnach diese Stimmung:
5Geige.
7Bratsche.
9Cello.
11Der Contrabass ist wiederum bedeutend grösser als das Violoncello und steht noch bedeutend tiefer. In neuerer Zeit ist er ebenfalls meist mit vier Saiten bespannt, die in Contra-E und A und gross D und G gestimmt sind. Doch wird er 16füssig gebraucht, seine Töne werden eine Octave höher aufgezeichnet. Die grosse Reihe der übrigen Töne wird nun bekanntlich dadurch erzeugt, dass der Geiger mit den Fingern der linken Hand die Saite, indem er sie fest an das Griffbrett drückt, verkürzt und dadurch einen höheren Ton gewinnt. Auf diese Weise erzielen die Geiger die ganze chromatische Tonleiter durch mehrere Octaven. Eine besondere Art, die Flageoletttöne (s. d.), die dadurch erzeugt werden, dass die Finger nur lose aufgelegt werden, ergeben eine abermalige Erweiterung des Umfangs.
13Die einfachste und natürlichste Behandlungsweise und daher auch die gewöhnlichste ist die mit dem Bogenstrich. Der Klang ist nicht so weich und rund wie der weichen Blasinstrumente, der Clarinette, Flöte und des Horns, er ist etwas rauher, weil man immer das Reiben des Bogenstrichs hört; aber er wird dadurch charakteristischer und grösserer Veränderungen fähig. Diese Mannichfaltigkeit des Klanges wird noch durch mancherlei Nebenumstände erhöht. So haben die leeren Saiten hellern Klang als die gegriffenen; weil der aufsetzende Finger den Ton abdämpft, so dass der Klang dumpfer wird. Die tieferen Saiten klingen rauher als die höheren, namentlich die übersponnenen, zugleich aber auch voller, während die höheren heller und einschneidender, aber auch weniger voll, sondern mehr geschärft und gespitzt ertönen, wie die untern. Weiterhin vermag der Geiger durch die besondere Führung des Bogens den Klang der Streichinstrumente zu modificiren. Wenn er näher am Steg streicht (sul ponticello), so erreicht er einen etwas rauheren, klirrenden Ton, näher am Griffbrett (sur la touché), wird der Ton dumpf und surrend. Beim Niederstrich ist der Klang der Saiten etwas breiter und kräftiger, beim Aufstrich wird er schärfer und etwas schwächer, weshalb die Geiger die Strichart sehr genau beachten. Um eine gemeinsame Strichart im Orchester zu erzielen, wodurch eine correcte Aufführung wesentlich erleichtert wird, bezeichnet der Concertmeister oder Musikdirektor die Stricharten ganz genau für jeden einzelnen Takt und dies muss dann von sämtlichen Geigern streng beobachtet
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