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Scan 17
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1werden. Es geschieht dies durch gewisse Zeichen, für den Niederstrich oder √, für den Aufstrich √ oder √. Die Bezeichnung martellato = gehämmert deutet an, dass jede Note mit Niederstrich und zwar mit vollem Bogen genommen werden soll.
3Weiterhin erleidet der Klang noch wesentliche Modifikationen dadurch, dass mit der Spitze oder mit dem untern Ende des Bogens gespielt wird. Wird mit der Spitze des Bogens gespielt (punto dell’ arco), so werden die Töne perlend leicht, aber auch kraft- und marklos, während sie, wenn am untern Ende des Bogens, am Frosch gespielt wird, härter und kräftiger, aber auch ungelener erklingen. Bei vollem, breitem Bogenstrich gewinnen sie die ganze Klangfülle und Klanggrundung, deren das Instrument überhaupt fähig ist.
5Eine andere Behandlungsweise der Streichinstrumente, durch die das Flageolettspiel erzeugt wird, erwähnten wir bereits. Der Klang der Flageolettöne unterscheidet sich wesentlich von dem der gewöhnlichen Behandlungsweise; er wird fast flötenartig luftig und hell und durchdringend fein. Eine Veränderung des Klanges der Streichinstrumente wird ferner durch das Aufsetzen der sogenannten Dämpfer (con sordino) erreicht. Es sind dies bekanntlich kammartig eingeschnittene und der Länge nach offene Holzplättchen, die auf den Steg des Instruments gesetzt werden. Dadurch werden die Töne abgedämpft, indem sich die Einwirkung der Saitenschwingungen auf den Resonanzkörper vermindert. Der Klang wird dadurch dumpfer, mehr verschleiert und zugleich wird ihm, weil die Dämpfer in leichte Schwingungen mitgerathen, ein leises Beben mitgetheilt, das für gewisse Stimmungen ausserordentlich charakteristisch sein kann. Sollen die Saiten wieder frei ausschwingen, so müssen die Dämpfer wieder abgenommen werden, was durch senza sordino = ohne Dämpfer angezeigt wird. Durch eine andere Behandlungsweise der Saiten wird endlich ihr Klang ganz und gar verändert, durch das Pizzicato, bei welchem die Saiten nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit den Fingerspitzen gerissen werden, ähnlich wie die Saiten der Harfe oder Guitarre. Dadurch wird der Charakter des Instruments ganz verändert, es hört auf, Streichinstrument zu sein und wird harfenartig. Der Ton verliert dabei an Fülle, er wird kürzer, härter und ohne Nachhall klingend und erreicht auch nicht die Fülle des Harfentons, weil die Saiten der Streichinstrumente bei dieser Behandlung nicht so frei ausklingen können wie die bedeutend längern der Harfe. Das Pizzicato der Streichinstrumente ist aus diesem Grunde nicht solcher Mässigung fähig, wie das Harfen- und selbst Guitarrenspiel, zumal auch die Saiten dieser Instrumente für diese Behandlungsweise hergerichtet sind. Soll nach dem Pizzicatospiel wieder mit dem Bogen gestrichen werden, wird dies bekanntlich durch coll’ arco = mit dem Bogen (auch kurzweg arco) bezeichnet.
7Mit diesen vielseitigen Behandlungsweisen der Streichinstrumente, die ebensoviel Klangveränderungen erzeugen, welche keine andere Art von Instrumenten zeigt, haben sie ganz naturgemäss namentlich für das Orchester eine so hohe Wichtigkeit erlangt, wie kaum noch eine andere Instrumentenart. Hierzu kommt noch, dass sie in ihrer Organisation als Chor den gesamten Umfang unsers Tonsystems umfassen und zugleich in allen möglichen Stärkegraden und in, durch die Technik kaum beschränkter Weise angeben können.
9Umfang, Technik und Klangwesen weisen dem Chor der Streichinstrumente daher durchaus die bevorzugte Stellung im Orchester an. Selbst die Rohrblasinstrumente sind einer so virtuosen Behandlung wie die Geigen nicht fähig, noch viel weniger natürlich die Messinginstrumente, und weil die Blasinstrumente auch in Bezug auf Umfang den Streichinstrumenten nicht gleich kommen, so treten sie zum Orchester vorwiegend mit ihrem Klang-, nicht auch in gleicher Weise mit ihrem Tonvermögen hinzu. Um das Tonvermögen der Blasinstrumente zu erweitern, mit dem der Streichinstrumente einigermaassen in ein Verhältniss zu setzen, mussten besondere Vorkehrungen getroffen werden, wie die Einführung von Ventilen und Klappen, die nicht selten den
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