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Scan 255
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1Toni ficti, tuoni trasportati, heissen die versetzten Töne im System der alten Kirchentonarten (s. Tonart, System).
2Tonisch heisst alles, was zur Tonika in direktem Bezuge steht.
3Tonischer Accord
4Tonischer Dreiklang
5Tonische Harmonie der Dreiklang auf der Tonika.
6Tonini, Bernardo, Instrumentalcomponist von Verona, ungefähr 1668 geboren, von dem die nachgenannten gedruckten Compositionen bekannt sind: »Sonate a violini e B. C.«, op. 1 (Venedig, 1693). »Sonate da chiesa a tre, due violini et organo con violoncello ad libitum«, op. 2 (Venedig, 1695, in 4°; zweite Ausgabe, Amsterdam, bei Roger, ohne Datum). »Balletti da camera a violino, spinetto o violone«, op. 3 (Venedig, 1697, partitura in 4° obl.; zweite Ausgabe ebenfalls Amsterdam). »Sonate a 2 violini, violoncello e continuo«, op. 4.
7Tonkunde, die Kunde oder Wissenschaft vom Ton, umfasst alles, was vom Ton und den Tönen zu wissen möglich und nothwendig ist. Sie untersucht die Art und die Mittel seiner Erzeugung, wie die Eigenart seiner Wirkung als Akustik, und stellt durch die genauesten Messungen und Berechnungen das Verhältniss der Töne unter einander fest als Canonik. Sie sucht weiterhin die allgemeinen Gesetze zu ergründen, für die Kunstgestaltung überhaupt und für die Tonkunst im Besonderen als Aesthetik der Tonkunst und zeigt dann deren specielle Anwendung auf das musikalische Kunstwerk, als: Tonsetzkunst, Theorie oder Compositionslehre, die wiederum in die einzelnen Zweige, die Lehre von der Harmonik, von der Melodik und der Rhythmik, vom Contrapunkt und der Formenlehre und die Instrumentationslehre zerfallen. Im Grunde gehören dann weiterhin auch die Unterweisungen im Gesange und im Instrumentenspiel, die Lehre vom Vortrage und vom Instrumentenbau hierher, vor Allem aber auch die »Geschichte der Musik«, welche in gewissem Sinne alle diese Disciplinen verbindet. Die
8Tonkunst dagegen umfasst die praktische Anwendung all dieser Unterweisungen im Kunstwerk; sie bezeichnet ein Können, die Fähigkeit in Tönen ein Kunstwerk aufzubauen. Sie ist geschieden in die selbstschöpferische und in die ausübende. Jene lässt das Kunstwerk in an sich stummen Zeichen, den Noten erstehen. Der schaffende Künstler bestimmt genau, welche Töne und Klänge und in welcher Ordnung und Weise er sie verwendet wissen will, aber er thut dies in Zeichen, die noch nicht schon Musik, noch nicht Töne sind. Diese Zeichen in Töne zu übersetzen ist der ausübenden Tonkunst übertragen; indem sie getreu nach den Vorschriften des schaffenden Künstlers die Noten zu Tönen macht, bringt sie erst das Kunstwerk zu lebendiger Darstellung.
9Tonkünstler heisst der Künstler, welcher die Tonkunst zu seinem Lebensberuf erwählt hat. So wie die Musik nicht immer auch Tonkunst genannt werden kann, so verdienen auch nicht alle Musiker den Namen Tonkünstler. Erst wenn die Musik einen wirklich bedeutsamen Inhalt in echt künstlerischer Form darlegt, wird sie zur Tonkunst und nur wer dieser letzteren erfolgreich dient, ist ein Tonkünstler zu nennen. So lange die Musik nur niedern Zwecken dient, wie meist die Tanz- und die Unterhaltungsmusik im Salon, Concert und selbst im Theater ist sie eben nicht Tonkunst und der Musiker, der die gleichen Zwecke verfolgt, ist kein Tonkünstler. Die höheren Ziele erst und die entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten machen den Tonkünstler und erheben die Musik zur Kunst. Im andern Falle bleibt die Musik Handwerk, die als solches ihre Berechtigung, aber nur niedere Bedeutung behält.
10Tonleiter, ital.: Scala, franz.: Gamme, engl.: Scala, Gamut, heisst bekanntlich die stufenweis geordnete Folge der Töne innerhalb einer Octave. Gegenwärtig unterscheiden wir zunächst zwei Arten, die diatonische, welche
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