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Scan 39
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1Militärstand bestimmt, trat er nach seiner Confirmation als Jäger in die Norwegische Armee, in welcher er sechs Jahre verblieb. Während seiner freien Zeit beschäftigte er sich fleissig mit Musikstudien, und da seine Neigung zu dieser Kunst immer stärker geworden war, fasste er den Entschluss, sich der selben ganz zu widmen. Nach erhaltenem Abschied regte sich die Lust, andere Städte und das Musiktreiben derselben kennen zu lernen so stark in ihm, dass er eines Tages, mit zehn Species in der Tasche und der Violine in der Hand in die Welt zog. Nach mühsamen und abenteuerlichen Wanderungen in verschiedenen Städten Schwedens schloss er sich 1862 in Hamburg einer herumziehenden Musiktruppe an, mit der er nach Lübeck ging. Bei einer zweiten Anwesenheit in dieser Stadt erwarb er sich die Protektion des dortigen schwedisch-norwegischen General-Consuls Leche, der sich seiner väterlich annahm und sich bei der schwedischen Königsfamilie für ihn verwendete, so dass er mit ihrer Unterstützung das Leipziger Conservatorium besuchen konnte. David, Dreyschock, Hauptmann, Richter, Reinecke waren hier seine Lehrer. Durch eine Fingerkrankheit wurde S. genöthigt, das Violinspiel vorläufig aufzugeben und wandte sich desto eifriger der Composition zu. Mehrere derselben wurden beifällig in Leipzig und andern Orten zur Aufführung gebracht. 1867 machte er Reisen nach Island und Norwegen, lebte dann einige Zeit in Paris (1868) und ging dann 1869 nach Leipzig zurück. Seit 1872 lebt er in seiner Heimat. Von seinen Compositionen sind veröffentlicht: zwei Quartette, ein Quintett, ein Octett, eine Sinfonie, ein Concert für die Violine, ein Concert für das Violoncello, symphonische Einleitung zu »Sigurd Slembe«. Für Orchester bearbeitete er zwei Liszt’sche Rhapsodien, den Schumann’schen Carneval, die Bach’schen Chaconne.
3Sweda, Wenzel, einer der allerersten Waldhornisten in Böhmen, durch den die Fertigkeit, es zu blasen, in Deutschland verbreitet wurde. Er war zu Lissau geboren und ein Untergebener des Grafen Anton von Spork (s. d. Art.), der ihn nach Paris schickte und in der Kunst, dies Instrument behandeln zu lernen, daselbst ausbilden liess, eben zu dem Zwecke, es in Deutschland bekannt zu machen.
5Sweelinck, Jan Pieters, einer der ersten Förderer der nunmehr selbständigen Instrumentalmusik, wurde wahrscheinlich in Deventer in Holland um 1561 geboren, das von ihm bekannte Portrait trägt die Unterschrift: »Obiit 1621, 16. Octobris. Aet. 60«. Er wird zwar dort auch ein Amsterdamer genannt, doch beweist dies nur, dass er die grösste Zeit seines Lebens in Amsterdam verbracht hat und die ältere Ansicht über seinen Geburtsort deshalb umzustossen, liegt kein Grund vor. Seine Musikstudien machte er bei Zarlino und Cipriano de Rore. In sein Vaterland zurückgekehrt, erhielt er den Organistenposten an der alten Kirche in Amsterdam, wo bereits sein Vater früher angestellt war. Hier hat er bis an sein Lebensende gewirkt als Componist und Lehrer und starb, wie schon oben gesagt, am 16. Octbr. 1621. Sein Ansehen als Orgelspieler und Lehrer war so bedeutend, dass die Schüler aus aller Herren Länder zu ihm kamen; die bekanntesten sind Jakob Prätorius und Samuel Scheidt. In Amsterdam selbst wurde er so hoch geehrt, dass die Kaufmannschaft daselbst ihm eine Pension aussetzte. In neuester Zeit sind durch die Bemühungen Eitner’s in Berlin eine grosse Anzahl seiner Compositionen in Partitur gesetzt und ein kleiner Theil davon auch veröffentlicht worden, theils durch den Verein zur Beförderung der Tonkunst in Amsterdam, der auch die von Eitner in Partitur gebrachten Werke Sweelinck’s handschriftlich aufbewahrt, theils durch Eitner selbst. Es sind dies folgende: 1) »Cantiones sacrae cum basso continuo ad organum 5 vocum« (Antverpiae, ap. P. Phalesium, 1619). Davon ist nur ein Satz, Regina coeli, erschienen. 2) »J. P. Sweelinck’s sechsstimmige Psalmen mit Lobwasser’schen Texten untergelegt von Martinus Martinus« (Berlin, bei George Rungen, 1616). Davon erschienen sechs Psalmen mit dem Portrait Sweelinck’s und einer sehr ausführlichen Biographie von
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