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Scan 357
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1879
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1Wien Gelegenheit hatte, während der Anwesenheit der Monarchen und Minister fremder Länder seinen Ruf weit zu verbreiten. 1816 gastirte W. in Berlin und Hamburg. In Berlin sang er in 36 Vorstellungen unter dem enthusiastischen Beifall des Publikums. Seine Stimme hatte nach und nach den Baritonklang angenommen und zu seinen Hauptpartien gehörten jetzt: Don Juan, Orest u. ähnliche. 1817 nahm er ein Engagement in Darmstadt an und war die Zierde dieser damals mit Vorliebe ausgestatteten Bühne, in welchem er acht Jahre verblieb und vom Herzog zum Kammersänger ernannt wurde. In Paris, wohin er hierauf an die italienische Oper zu Gastspielen ging, hatte er nicht so viel Erfolg als in Deutschland, was erklärlich ist, da die deutsche Musik und Gesangsweise ihm vertrauter war als die italienische. Nach einer fünfjährigen Tätigkeit in Kassel, die nun folgte, rief man ihn 1830 nach Wien zurück, wo er sein Publikum noch lange entzückte. Wild starb in Wien am 2. Januar 1860. Seine Stimme war gross und von trefflicher Schulung, sein Vortrag mächtig. Er und Vogl (s. d. Art.), der gleichzeitig mit ihm an der Wiener Oper sang, stritten um die Palme. Sein Repertoire umfasste alle bedeutenden Partien seines Faches der deutschen und französischen Oper, auch war er als Romanzensänger sehr bedeutend.
3Wilde, Johann, Kaiserlicher Kammermusikus zu Petersburg, war aus Baiern gebürtig und starb 1770. Er soll vortrefflich die Violine und Viola d’amour gespielt haben, hat sich aber auch durch die Erfindung des Nagelclaviers 1748 und anderer seltsamer mechanischer Kunstwerke bekannt gemacht. Zu diesen gehören: ein Violoncello portatile, das in ein zwei Fuss langes und neun Zoll breites Kästchen zusammengelegt werden konnte und dennoch den Ton und die Stärke eines gewöhnlichen Violoncellos hatte; eine Violino piccolo von ausserordentlich starkem Ton, deren Decke von Pergament ist; eine gewöhnliche Flöte traversiere, die aber vermittelst einer Klappe einen vollkommenen Schalmeiton giebt; eine silberne Syrinx oder Pan-Pfeife von 2 1/2 Octaven; eine Viola d’amour von besonders starkem Klange, mit einem Dämpfer, der durchs Knie regiert wird; ein Spazierstock, welcher eine Stockvioline enthält; eine Willkommsharfe, die bei Eröffnung der Thür von selbst spielt. Specielle Nachrichten über diese Erfindungen findet man in Hiller’s Nachrichten (Band IV, S. 192).
5Wilder, Jerôme Albert Victor van, französischer Theaterdichter und Bearbeiter deutscher Vocalmusikwerke, ist am 21. August 1835 zu Wetteren bei Gent in Belgien geboren. Nachdem er an der Universität dieser Stadt die Rechte studirt und die Doctorwürde erworben, wandte er sich ganz der Musik zu und widmete auch ihr Jahre des ernsten Studiums am Genter Conservatorium — mit wie gutem Erfolg, dies zeigte sich an den Kritiken über Theater und Musik, die er damals für mehrere Zeitungen, namentlich für das »Journal de Gand« verfasste. Ende der 50ger Jahre siedelte er nach Paris über, wo der, für Verbreitung deutscher Vocalcompositionen in Frankreich unermüdlich thätige Verleger Flaxland alsbald seine aussergewöhnliche Fähigkeit zur Uebersetzung der deutschen Dichtungen ins Französische erkannte und ihm reichliche Beschäftigung auf diesem Gebiete gab. Für eine solche Aufgabe war W. nicht minder geeignet durch seine germanische (vlämische) Abstammung und genaue Kenntniss des Geistes der französischen wie der deutschen Sprache, als durch seine vielseitige Bildung und sein feines Musikverständniss. Vor allem empfand er die dem germanischen Ohre so dringende Nothwendigkeit des Zusammentreffens der betonten Silbe des Textes mit dem guten Takttheil der Musik und wusste die von seinen französischen Vorgängern gegen diese Grundregel der Vocalcompositionen begangenen Sünden so sorgfältig und glücklich zu vermeiden, dass seine Arbeiten in diesem Punkte den Originaldichtungen nichts nachgeben. Wilder’s bescheidenes Debut auf diesem Kunstgebiete waren vierzig Lieder von Franz Abt; kurz darauf aber trat er mit der Uebersetzung eines Heftes Schumann’scher Lieder hervor, welche die Aufmerksamkeit aller Kenner
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