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Scan 403
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1879
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1Er war seiner Zeit als Violoncellist berühmt und seine Concerte und Sonaten für Violoncell waren geschätzt, blieben aber Manuscript.
3Wodiczka, Wenzeslaus, auch Vodiska, Tonkünstler und Violinist, war eine Zeit lang Concertmeister in Wien. Nachgenannte Werke sind von ihm bekannt: »Huit sonates pour violon et la basse, dont il y quatre pour la flûte traversière, oeuvre second« (Paris, chez madam Boyoin et chez le sieur le Clerc, in 4° obl.). Ferner sind Violinsolis im Katalog von Preston in London verzeichnet. Ferner ist von Jac. Wilh. Lustig in Amsterdam eine Uebersetzung ins Holländische der von W. in deutscher Sprache verfassten Schule für die Viola vorhanden. Nur die holländische Ausgabe ist zur Zeit bekannt, deren Titel lautet: »Korte Instructie voor de viole, in’t hoogduitsch opgesteld en uit dat origineel in’t Fransch en Nederduitsch vertaald« (Amsterdam, Olossen, 1757).
5Woegel, Michael, Erfinder der Inventionstrompete und Virtuose auf diesem Instrument, geboren in Rastatt 1748, stand einige Zeit im Dienste des Markgrafen von Baden-Durlach zu Karlsruhe, machte aber viele Reise und erregte allenthalben, vorzugsweise in Paris, wo er sich 1773 hören liess, die grösste Bewunderung, durch den weichen schmelzenden Ton, den er auf der Trompete hervorbrachte. Ueber die Beschaffenheit seiner Erfindung findet sich in Junker’s »Musik. Almanach« vom Jahre 1782, S. 104 einiges. Es heisst dort, dass Woegel, um den Becher mit der Hand etwas bequemer erreichen zu können, die Trompete etwas niederwärts gebogen und die Aufsätze an der Seite angebracht habe. Durch diese Erfindung soll die Trompete an Grazie gewonnen haben, ohne an der Stärke des Tones zu verlieren.
7Wölfl oder Wölffl, Joseph, Claviervirtuose und Componist, berühmt als zeitweiliger Rivale Beethoven’s*) ist 1772 in Salzburg geboren und erreichte schon hier mit Hülfe seiner Lehrer Leopold Mozart und Michael Haydn, sowie durch eigene Beharrlichkeit eine hohe Stufe der künstlerischen Entwickelung. Im Jahre 1792 begab er sich nach Warschau, wo sich ihm eine glänzende Laufbahn zu eröffnen schien, bis er zwei Jahre darauf durch die inzwischen ausgebrochene Revolution gezwungen wurde, die Stadt wieder zu verlassen. Er wendete sich nun nach Wien, und hatte hier das Glück, nicht nur als Pianist denselben Beifall zu finden wie in Warschau, sondern auch mehrere Opern seiner Composition, den »Höllenberg«, »Das schöne Milchmädchen« und den »Kopf ohne Mann« auf dem Schikaneder’schen Theater zur Aufführung zu bringen. Sein virtuoses Spiel, begünstigt durch ungewöhnlich grosse Hände, erregte bei den Wiener Musikfreunden solches Aufsehen, dass er von Vielen nicht nur neben Beethoven, sondern sogar über denselben gestellt wurde, namentlich durch seine Improvisationen, die mit ihrer Ruhe, thematischen Einheit und ihren geistvollen Ueberraschungen an die gleichartigen Leistungen Mozart’s erinnerten. Im Jahre 1798 vermählte er sich mit der Schauspielerin Therese Klemm, behielt jedoch nicht in Wien seinen Wohnsitz, sondern unternahm schon im Winter des folgenden Jahres eine grösse Kunstreise über Brünn, Prag, Leipzig, Hannover, Braunschweig, Berlin nach Hamburg, überall vom Publikum wie von der Kritik mit Enthusiasmus aufgenommen. Von Hamburg, wo er am 30. Novbr. 1799 zum letzten Mal aufgetreten ist, ging er über London nach Paris und erweckte hier, wenn auch nicht die gleiche Begeisterung wie in den bisher von ihm besuchten Städten, so doch die lebhafte Theilnahme der Musikverständigen, besonders durch den edlen Stil seiner Kammer-Compositionen, deren er eine grosse Anzahl veröffentlichte; weniger als dramatischer Componist, wie der geringe Erfolg seiner 1804 im Theater Feydeau aufgeführten komischen Oper »L’amour romanesque« bewiesen hat.
9Die politischen Wirren im Beginne unseres Jahrhunderts mögen die Ur-
11*) Der Kapellmeister Ignaz von Seyfried berichtet von dem „an die Fehde der Gluckisten und Piccinisten erinnernden Wettstreit der beiden Athleten“ in Wien, u. a. auf der Villa des Freiherrn von Wetzlar, wo sie sogar vierhändig improvisirten.
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