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Scan 412
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1879
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1Magazine, einen Concertsaal u. s. w., die andre auf einem 40,000 Meter umfassenden Terrain in St. Denis bei Paris gelegen, mit den Werkstätten, einer Dampfmaschine von 80 Pferdekraft, den Lagerplätzen für das Holz und den Schuppen zum Trocknen desselben, Sägemaschinen nach den neuesten Constructionen u. s. w.
3Verdankt das Haus Pleyel, Wolff & Co sein Gedeihen während der verflossenen Jahrzehnte in erster Reihe den durch W. bewirkten Verbesserungen des Tones und der Spielart seiner Instrumente — wozu namentlich die Anwendung des Systems der gekreuzten Saiten auf Claviere von geringer Dimension beigetragen hat — so durfte es nicht minder durch eine Reihe von sinnreichen, das Gebiet des Clavierbaues nahe berührenden Erfindungen seines gegenwärtigen Chefs die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt in Anspruch nehmen. Von diesen seien hier nur erwähnt: die Transpositions-Claviatur, durch welche vermittelst einer Schraube die sämtlichen Saiten in alle zwölf Halbtöne der Octave umgestimmt werden können, ohne dass der Ton oder der Mechanismus des Instruments irgendwie darunter zu leiden hätten, und das harmonische Pedal (Pédale tonale), eine Art Ergänzung des gewöhnlichen Pedals, jedoch unabhängig von demselben, bestehend in einer über der Claviatur angebrachten kleineren Claviatur vom Umfang einer Octave, deren Töne nur berührt zu werden brauchen, um die mit ihnen correspondirenden Saiten sämtlicher Octaven des Instrumentes erklingen zu lassen, so lange bis durch Berührung der am rechten Ende der kleinen Claviatur befindlichen Taste diese Wirkung wieder aufgehoben wird.* Die Preise und Belohnungen, welche der Firma in neuerer Zeit zu Theil geworden sind, bestehen in einer, bei Gelegenheit der Londoner Weltausstellung von 1862 verliehenen Preismedaille und gleichzeitiger Ernennung Wolff’s zum Ritter der Ehrenlegion; während der Pariser Ausstellung von 1867 wurden die Pleyel’schen Instrumente »hors concours« erklärt, da der Chef des Hauses zum Mitglied der Jury erwählt war; bei der Ausstellung von 1878 dagegen wurde ihnen, wie schon bei mehreren früheren Gelegenheiten die goldene Medaille zugesprochen.
5Wie durch seine Verdienste um Kunst und Industrie so nimmt W. auch durch seine vielseitige wissenschaftliche Bildung eine hervorragende Stellung unter seinen Landsleuten ein. Ungeachtet seines deutschklingenden Namens echter Franzose von Geburt und Gesinnung, scheute er nicht die Mühe, sich mit deutscher Sprache, Dichtkunst und Philosophie gründlich vertraut zu machen. Auch ist der Einfluss germanischen Geistes in seinen Bestrebungen zur Verbesserung des materiellen und geistigen Lebens seiner Arbeiter unschwer zu erkennen; diese verdanken ihm die Gründung einer Kasse zu gegenseitiger Unterstützung, einer Pensionskasse, einer Knaben- und Mädchenschule, eines Gesangvereines und einer Bibliothek. Nicht minder wohlwollend und werthätig äussert sich seine Theilnahme für die zahlreichen, zu ihm in geschäftlicher oder freundschaftlicher Beziehung stehenden Mitglieder der Künstlerwelt, der Pariser wie der auswärtigen, und unter den Vielen, welche, sei es in Paris oder in der von ihm während des Sommers bewohnten Villa in Villers sur mer bei Havre seine Gastfreundschaft genossen, wird keiner sein, dem der persönliche Verkehr mit ihm nicht eine nachhaltige und dankbare Erinnerung hinterlassen hätte.
7Wolff, Eduard, Claviervirtuose und Componist für dies Instrument, ist
9*) Berührt man z. B. die Taste C der kleinen Claviatur, so erklingen sämtliche C des Claviers. Man kann aber auch einen vollständigen Accord miterklingen lassen, wodurch bei verwinkelten Passagen, chromatischen Tonleitern u. s. w. das Festhalten der Tonart dem Hörer wesentlich erleichtert wird. Die Handhabung dieses „harmonischen Pedals“ verursacht geringe Schwierigkeit, ungleich geringer als etwa dem Organisten das Registriren. Die künstlerische Bedeutung dieser Erfindung ist unverkennbar, namentlich für den Vortrag moderner Claviercompositionen, und nach der Art, wie z. B. ein Chopin und ein Schumann ihre geistvollsten Inspirationen notirt haben, könnte es scheinen, als hätten sie die Notwendigkeit eines solchen Hülfsmittels zur richtigen Wiedergabe ihrer Gedanken schon ahnungsvoll erkannt.
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