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Scan 88
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1879
18 lines. Read by computer on 12 September 2026. Printed page 82. See the scan on archive.org.
1unseres Jahrhunderts eine Violine pomposa im Gebrauch, eine durch die E-Saite der Violine erweiterte Viola.
3Viole, s. v. a. Viola (s. d.).
4Violet, eine Art Viola d’amore, mit sieben verschieden gestimmten Darm- und vierzehn Resonanzsaiten.
5Violet, ein Orgelregister, die vierfüßige Gattung der Viola. Zuweilen auch Bezeichnung für die Offenflöte.
6Violetta, bei Prætorius Violetta piccola (picciola), die kleinste Gambenart, auch Discantgeige, Rebechino; sonst auch Bezeichnung für die Bratsche.
7Violicembalo, eine Art Bogenflügel, von dem Abbete Greg. Trentino zu Venedig construirt; ein Tasteninstrument, das in der Mitte wie ein gedämpftes Violoncello klingt, aber in der Höhe und Tiefe wenig befriedigt. Es ist mit Darmsaiten, die in der tieferen Octave mit Metalldraht übersponnen sind, bezogen.
8Violine, Discantgeige, Violon, Dessus, auch Violetta und Rebechino. Wiewohl das griechische Alterthum die Streichinstrumente nicht gekannt hat — denn das von Einigen als Urform des Geigenbogens angesehene, Plektrum genannte Stäbchen diente lediglich zum Reissen der Saite — so reicht die Geschichte derselben doch in eine weite Vorzeit hinab: das Ravanastron, ein uraltes Streichinstrument der Inder (s. d.) soll nach der dortigen Tradition von Ravana, König von Ceylon, der vor fünf tausend Jahren lebte, erfunden sein, und die Sanskrit-Literatur enthält eine Menge von Dokumenten, welche die Existenz dieses Instrumentes schon seit mehr als zwei Jahrtausenden mit Bestimmtheit kund thun. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten waren es die Araber, welche durch Einführung des, theils dem Ravanastron, theils der antiken Chelys verwandte Rebab, das Abendland mit den Streichinstrumenten bekannt machten. Bald nach der Eroberung Spaniens durch die Mauren (1711) taucht dies Instrument zuerst in den Ländern des europäischen Continents auf, gleichzeitig aber erscheint bei den nordischen Völkern celtischen Ursprungs unter dem Namen Cruth (crwth, lat. crotta, s. d.) ein anderes Streichinstrument, welches nebst der Harfe den dortigen Barden zur Begleitung des Gesanges diente. Das Cruth, dessen Gebrauch bei den celtischen Völkern schon seit dem 6. Jahrhundert durch die zwei Verse des Venantius Fortunatus, Bischofs von Poitiers (gestorben daselbst in den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts) erwiesen ist:
10Romanusque lyra plaudat tibi, Barbarus harpa,
11Graecus achilliaca, chrotta britanna canat.*)
13Dies Instrument darf mit noch grösserem Rechte als sein arabischer Rivale für den Stammvater der Familie der Violen gelten, mit welchem Namen man in späterer Zeit alle Streichinstrumente ohne Unterschied der Grösse und Handhabung bezeichnete; denn während das Rebab einen nach antiker Art gewölbten Boden hat, auf welchem die Decke ruht, so erscheint beim Cruth schon das wesentliche Merkmal der später vervollkommneten Streichinstrumente: die Zargen, d. h. die vertikale Holzwand, welche den Boden des Instrumentes von der Decke trennt.
15Die Form des arabischen Rebab, welche man sich nicht besser vergegenwärtigen kann als durch das Bild einer in verticaler Richtung durchschnittenen länglichen Birne, blieb dieselbe, auch nachdem dies Instrument sich als »Rebec« in Europa eingebürgert hatte und während des Mittelalters, wie eine Menge von Abbildungen aus jener Zeit beweisen, vielfach in Gebrauch gekommen war. Auch beim Cruth wurden im Laufe der Zeiten keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen, nur dass die ursprüngliche Saitenzahl von drei auf sechs vermehrt wurde, deren vier auf dem Steg, die zwei übrigen dagegen neben demselben lagen, folglich nicht mit dem Bogen berührt, sondern mit den Fingern
17*) Der Römer lobt dich mit der Lyra, der Barbare singt dir mit der Harfe, der Grieche mir der Kithara, der Britanier mit dem Crouth.
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