Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 97

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1879

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1ist, und nun konnte auch die Tätigkeit der Virtuosen höhere künstlerische Bedeutung gewinnen. Am Anfangspunkt der neuen Aera steht Josefo Torelli, 1685 erster Violinist an der Petroniuskirche zu Bologna, Autor eines Werkes »Concerti grossi con una pastorale, per il santissimo natale«, zwölf Concerte für zwei concertirende Violinen, welche Burney als Muster dieser Gattung bezeichnet. Ihm folgt Corelli, von 1681 an das Haupt der römischen Violinisten- schule, dem die mehrsätzige Sonate in demselben Maasse ihre Ausbildung verdankt, wie das Concert dem Vorhergehenden. Durch seine Schüler wurde die von ihm eingeschlagene gediegene Richtung des Violinspiels über ganz Europa verbreitet: Geminiani’s in London 1740 veröffentlichte »Art of playing the violin« und Locatelli’s »Arte del violino« dürfen als die Erstlingswerke der Violin-Pädagogik gelten. Nach Rom wurden Venedig und Padua die Centren des Violinspiels in Italien; in ersterer Stadt Vivaldi (gestorben 1743), Concertmeister am Conservatorium della Pietà, dessen Concerte einem Seb. Bach (für sein sogenanntes italienisches Concert für Clavier) als Muster gedient haben; in letzterer Tartini, als Componist der »Teufelssonate« (trille du diable) unsterblich, daneben in hohem Grade verdienstvoll als Schöpfer eines Harmonie- systems. Eine vierte Schule, die piemontesische, darf als eine Abzweigung von der römischen angesehen werden; ihre Haupter waren Giardini und Somis, und ihre Abkömmlinge reichen durch des letzteren Schüler Pugnani und dessen Schüler Polledro (um 1814 Concertmeister in Dresden) bis in unser Jahrhundert hinein; ein anderer Schüler Pugnani’s, J. B. Viotti (1753—1824), hat sich dadurch ein besonderes Verdienst erworben, dass er die Traditionen des italienischen Violinspiels, nachdem die musikalische Lebenskraft seines Vaterlandes erloschen war, nach Frankreich übertrug, und zu dem nunmehr hier beginnenden Aufschwung der Geigenkunst in einflussreichster Weise mitwirkte. Schon im Anfang des 18. Jahrhunderts hatten die französischen Geiger, namentlich Léclair und Gaviniés (von Viotti der französische Tartini genannt) eine hohe Stellung errungen, der letztere auch als Pädagoge durch sein Studienwerk »Les vingt-quatre matinées«; noch ungleich weittragender war die Wirksamkeit derjenigen Geiger, welche mit Eröffnung des Pariser Conservatoriums (1793) ihre Tätigkeit begannen, der Rode, Baillot und Rudolf Kreutzer; die von ihnen für die genannte Anstalt verfassten Lehrmethoden und Etuden haben bis auf den heutigen Tag ihren Werth behalten; der persönlichen Lehrthätigkeit dieser Künstler aber dankt die französische wie die belgische Schule jene ausserordentlichen Erfolge, deren Erinnerung sich mit den Namen Habeneck und Alard, auf belgischer Seite de Beriot, Vieuxtemps, Léonard, Meerts verknüpft. one of two readings
2ist, und nun konnte auch die Thätigkeit der Virtuosen höhere künstlerische Bedeutung gewinnen. Am Anfangspunkt der neuen Aera steht Josefo Torelli, 1685 erster Violinist an der Petroniuskirche zu Bologna, Autor eines Werkes »Concerti grossi con una pastorale, per il santissimo natale«, zwölf Concerte für zwei concertirende Violinen, welche Burney als Muster dieser Gattung bezeichnet. Ihm folgt Corelli, von 1681 an das Haupt der römischen Violinistenschule, dem die mehrsätzige Sonate in demselben Maasse ihre Ausbildung verdankt, wie das Concert dem Vorhergehenden. Durch seine Schüler wurde die von ihm eingeschlagene gediegene Richtung des Violinspiels über ganz Europa verbreitet: Geminiani’s in London 1740 veröffentlichte »Art of playing the violin« und Locatelli’s »Arte del violino« dürfen als die Erstlingswerke der Violin-Pädagogik gelten. Nach Rom wurden Venedig und Padua die Centren des Violinspiels in Italien; in ersterer Stadt Vivaldi (gestorben 1743), Concertmeister am Conservatorium della Pietà, dessen Concerte einem Seb. Bach (für sein sogenanntes italienisches Concert für Clavier) als Muster gedient haben; in letzterer Tartini, als Componist der »Teufelssonate« (trille du diable) unsterblich, daneben in hohem Grade verdienstvoll als Schöpfer eines Harmonie-systems. Eine vierte Schule, die piemontesische, darf als eine Abzweigung von der römischen angesehen werden; ihre Haupter waren Giardini und Somis, und ihre Abkömmlinge reichen durch des letzteren Schüler Pugnani und dessen Schüler Polledro (um 1814 Concertmeister in Dresden) bis in unser Jahrhundert hinein; ein anderer Schüler Pugnani’s, J. B. Viotti (1753—1824), hat sich dadurch ein besonderes Verdienst erworben, dass er die Traditionen des italienischen Violinspiels, nachdem die musikalische Lebenskraft seines Vaterlandes erloschen war, nach Frankreich übertrug, und zu dem nunmehr hier beginnenden Aufschwung der Geigenkunst in einflussreichster Weise mitwirkte. Schon im Anfang des 18. Jahrhunderts hatten die französischen Geiger, namentlich Léclair und Gaviniés (von Viotti der französische Tartini genannt) eine hohe Stellung errungen, der letztere auch als Pädagoge durch sein Studienwerk »Les vingt-quatre matinées«; noch ungleich weittragender war die Wirksamkeit derjenigen Geiger, welche mit Eröffnung des Pariser Conservatoriums (1793) ihre Thätigkeit begannen, der Rode, Baillot und Rudolf Kreutzer; die von ihnen für die genannte Anstalt verfassten Lehrmethoden und Etuden haben bis auf den heutigen Tag ihren Werth behalten; der persönlichen Lehrthätigkeit dieser Künstler aber dankt die französische wie die belgische Schule jene ausserordentlichen Erfolge, deren Erinnerung sich mit den Namen Habeneck und Alard, auf belgischer Seite de Beriot, Vieuxtemps, Léonard, Meerts verknüpft. one of two readings
4In Deutschland nimmt zunächst Johann Jacob Walther (geboren 1650) die Aufmerksamkeit in Anspruch, der Componist des Werkes »Hortus Chelicus, das ist Wohlgepflanzter Violinischer Lustgarten« u. s. w., ohne jedoch entfernt seinen italienischen Fachgenossen bezüglich der Förderung des Violinspiels gleich zu stehen. Weit kunstgemässer als der, zum Theil aus Imitationen verschiedener Instrumente, auch Vogelstimmen bestehender »Hortus chelicus« erscheinen die im Sonatencharakter gehaltenen Compositionen Biber’s (gestorben 1698 als Kapellmeister in Salzburg). Während der Glanzzeit der Hamburger Oper im Anfang des 18. Jahrhunderts zeichnen sich sodann Strungk und Telemann als Componisten und Virtuosen aus; gleichzeitig Pisendel, der von 1728 an in Dresden als Concertmeister wirkte. Zu noch reicherer Blüthe aber gelangte das Violinspiel zur Zeit Friedrich’s d. Gr. durch den Böhmen Franz Benda, der seine Laufbahn in Dresden begann und in Berlin endete, in beiden Städten eine Violinistenschule von weitreichender Bedeutung hinterlassend. Neben Dresden und Berlin war um dieselbe Zeit Mannheim ein Mittelpunkt des Geigenspiels, wo Johann Carl Stamitz von 1745 an eine höchst erfolgreiche Lehrthätigkeit entfaltete. Unter seinen Schülern sind zu nennen: Fränzl und Cannabich; ferner F. W. Pixis, nachmals

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