Books › Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840 › scan 163
Scan 163
Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840
25 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 0. See the scan on archive.org.
1Gamba
2mitunter nicht frei von Fehlern gegen den reiznen Gas. Besonders zeigt er sich in der komischen Oper unerschöpflich an Einsällen. (Penelope, Didone abandonnata, Iligenia in Tauride, Enrico, L'Avaro punito u. s. w. Kirchenstücke.) † 1785.
3Gamba oder Gambe; s. Viola da Gamba.
4Gambenwerk, auch Geigenwerk und Geigen-Clavichymbel genannt. Ein Claviaturinstrument, erfunden (1609) von einem Organisten an der Sebalduskirche zu Nürnberg, Ramens Hans Hayden. Es hatte die Form eines Flügels, in welchem hinter den Längen-ten 10—12 kleine Räder angebracht, welche auf ihren Rändern mit Pergament überzogen und mit Colophonium bestrichen waren, und vermittelst einer Schnur von einem darunter befindlichen größern Schwungrade in Umlauf gesetzt wurden. Bei dem Niederdrucke der Tasten wurden die Saiten (und zwar Drath- saiten) von den Tangenten an die kleinen Räder angebracht, und von denselben gleichsam wie von einem Bogen gestrichen, wodurch sie den Ton der Gambe hören ließen, welcher ver- möge des geringeren oder stärkeren Drucks der Finger verstärkt oder geschwächt werden konnte.
5Zu geschwinden Passagen, zu einem gerundeten Vortrage, zu allem, was eine sehr ge- schwinde Ansprache des Tons erforderte, war dieses Instrument nicht geeignet, desto zweck- mässiger aber war es zum Vortrage cantabler, und besonders gebundener Sätze.
6Kaiser Rudolph II. ertheilte dem Erfinder dieses Instruments ein Privilegium über die Verfertigung desselben, welches derselbe aber nur kurze Zeit benugen konnte, denn er starb schon 1613.
7In der letzten Hälfte des vorigen Jahr- hunderts erlitt dieses Instrument verschiedene Veränderungen und Verbesserungen; und aus ihm entstanden der im Jahre 1757 von Hohlsfeld in Berlin erfundene Bogenflügel (s. d.), das von Greiner in Weslar (1782) erfundene Bogenhammer-Clavier (s. d.) und mehrere andere ihm ähnliche Instrumente; s. d. Art. Bogenflügel.
8Gamma (ital.), Gamme (franz.). So nannte man früher das ganze Tonsystem des Guido, von dem großen G bis zum zweigeschrichenen e sich erstreckend, nach dem griechischen Buchstaben Gamma (Γ), mit welchem er den Grundton desselben bezeichnete. Jetzt be- deutet Gamme so viel als Tonleiter oder den Umfang eines jeden Instruments; auch nennen die Franzosen die ersten Schulübungen gammes, bei welchen die diatonischen Stufen der Ton- leiter auf- und abwärts, langsam und ge- schwind, gespielt oder gesungen werden.
9Gandini (Antonio), Musikdirektor in Modena. (Opern: Ermina, Ruggiero.)
10Gang, eine Reihe aufeinander folgender, auf- oder abwärtssteigender Töne.
11Ganz, die Brüder Leopold und Moritz, in Berlin. Ersterer Violin-, Letzterer Violoncell- virtuos. Beide ausgezeichnet.
12Garat (P. J.)
13Ganze Applicatur. Die zweite Vers- sierung der Hand auf der Geige, in welcher die Töne, die man in der gewöhnlichen Lage mit dem dritten Finger greifen muß, mit dem ersten gegriffen werden, z. B. das d auf der a-Saite. Im weiten Sinne auch jede noch höhere Lage der Hand.
14Ganze Ausweichung, so viel als voll- kommene Ausweichung (s. b.).
15Ganze Gadenz; s. Finalcadenz.
16Ganze Doppelzunge, eine Schlagmanier auf den Pauken.
17Ganze Tactnote, ganzer Schlag, Semi- brevis (lat.), Ronde (franz.). In der neuern Musik die längste Note. Sie dient zum Maß- stabe, nach welchem das Verhältniß der Dauer verschiedener Notengeltungen bestimmt wird; s. Noten.
18Ganze Tactpause, ein veränderliches Schweigezeichen, von der Geltung des zu An- fange des Tonstückes bemerkten Tactes; s. Pause.
19Ganze Töne, nennt man gewöhnlich die Untertasten des Claviers.
20Ganzer Schlag, so viel als ganze Tactnote.
21Ganzer Tact. Die aus zwei Zweiviertel- tacten zusammengesetzte Tactart, bei welcher die gute Tactzeit auf das erste und dritte Viertel fällt. Ihre Bezeichnung ist ein nicht durchgestrichenes C.
22Ganzer Ton. Ein Intervall von zwei kleinen Stufen oder sogenannten halben Tönen. Es sind fünf große und zwei kleine Stufen, oder fünf ganze und zwei halbe Töne in der diatonischen Tonleiter enthalten. Erstere werden, als Intervalle betrachtet, große Secun- den, Letztere hingegen kleine Secunden ge- nannt; und da die große Terz, die aus zwei ganzen Tönen besteht, vermittelst der arithmeti- schen sowohl, als auch der harmonischen Thei- lung in zwei Töne von verschiedener Größe zer- fällt, so unterscheidet man einen großen und einen kleinen ganzen Ton (s. b.).
23Ganzer Zirkel, eine aus acht Tönen be- stehende Figur, deren zweiter und vierter Ton, so wie der sechste und achte durch gleiche No- ten bezeichnet sind.
24Garat (Pierre Jean), ausgezeichneter Tenor- sänger, geb. zu Ustariz am 25. April 1764. In seinem sechzehnten Jahre zu Paris ange- kommen, verließ er seine juristischen Studien und ergab sich mit beispiellosem Eifer der Musik. Den ersten Unterricht hatte er von seiner Mutter, und später von einem Sänger Lambert erhalt. Im Jahre 1794 schiffte er sich mit dem Violinisten Rhodé nach Eng- land ein, wurde durch einen heftigen Sturm verschlagen, kam in Hamburg an, wo Beide glänzende Concerte gaben. Bald darauf erhielt er den Ruf als Professor am Pariser Conser- vatorium. Nachmals, als sein Oheim, der Graf Garat, zu hohen Würden gelanzt war, mußte er, zu seinem großen Leidwesen, auf seine Anstellung bei der Oper verzichten, und
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.