Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 171

Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840

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1Geist, geistreich. Der Ausdruck Geist bezeichnet eine höhere Regsamkeit desjenigen Wesens im Menschen, dessen Tätigkeit im Vorstellen und Streben, im Denken und Wollen besteht. Daher trägt man die Ausdrücke geistreich oder geistvoll von Menschen, deren Denkkraft in einem vorzüglich hohen Grade wirksam ist, auch auf musikalische Erzeugnisse und Kunstwerke über, insofern sich in ihnen die innere Kraft des Menschen oder des Künstlers, der sie hervorbrachte, ankündigt. Das Geistreiche macht einen eigenen Charakter in den Werken der schönen Künste aus; denn bei geistreichen Kunstwerken kommt es weniger auf die Stärke der Denkkraft, als vielmehr der Einbildungskraft an, wiwohl diese allein noch kein wahres Kunstwerk zu schaffen im Stande ist, sondern in Verbindung mit dem Verstande bei ihren Hervorbringungen wirksam sein muß. Das Geistreiche offenbart sich mehr im Spiele der Einbildungskraft als des Empfindungsvermögens; ohne jedoch Letzteres auszuschliessen. Wenn man einem Werke der Tonkunst den Charakter des Geistreichen zueignet, so versteht man darunter Fülle der Gedanken; einen besonders hohen Grad der Lebhaftigkeit derselben, der Regsamkeit der Darstellung, so wie des Treffenden in allen einzelnen Theilen des Tonstückes, welches eine bestimmte Empfindung ausdrücken soll. Nicht jedes schöne Werk der Kunst ist auch geistreich; und wie das Geistreiche eine gemässigte Genialität bezeichnet werden dürfte, so bezeichnet es wiederum Werke von gemässigtem Inhalte, die mehr die Einbildungskraft und den Geist beschäftigen, als das Herz. Dort aber, wo die Natur einen hohen schöpferischen Geist mit einem großen Herzen paart, da wird das Genie geboren.
3Gekröpfte Pfeifen, sind Orgelpfeifen, denen oben ein Theil abgeschnitten, und unten (gewöhnlich) in einem rechten Winkel wieder angesetzt ist. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn die größten Pfeifen keinen Raum haben, in ihrer Länge aufrecht zu stehen.
5Gekünstelt nennt man dasjenige, darin die Kunst übertrieben oder zur Unzeit angebracht ist. In einem Tonstücke offenbart es sich in allzuängstlich fleißiger Ausarbeitung, in Ueberhäufung gesuchter kleiner Nebendinge und unbedeutender Zufälligkeiten, die den mangeln den Gebanken ersetzen sollen, und selbst den vorhandenen ersticken. In der Ausführung ist es Ueberladung, übermässige Anwendung von Verzierungen und Manieren, übertriebene Anwendung von Ausdrucksmitteln am unrechten Orte. In gekünstelten Werken also liegt mehr in dem Zeichen als in der Sache, und da, wo nicht Mangel an schöpferischer Kraft anzunehmen ist, verrathen sie einen noch ungebildeten Geschmack.
7Gelehrt oder steif komponiren heisst: Ideen zu Schaven strenger Gesetze oder kleiner Berechnungen machen, oder auch den Mangel an Ideen durch fleissige, künstliche Ausarbeitung verdecken. Gelehrsamkeit zur Genialität verhält sich wie die Tonwissenschaft zur Tonkunst, oder wie zu Haydn, Mozart, Beethoven, etwa Marpurg, Kittel, Kirnberger.
9Gelenke, so viel als Tactnoten, Tacttheile. Gelinek (Abbe P.), fertiger Clavierspieler und sehr beliebter Komponist für dieses Instrument, 1760 in Böhmen geb., erst Organist an einem Kloster; ging nach Wien, wurde 1795 Hauskaplan des Fürsten Esterhazy. † 1825. In Variationen unerschöpflich, und nüglich zur Fingerübung. (22 Arietten, Duos, Menuette, Balletts, Märsche bei Hunderten, alle mit Variationen; Sonaten, Trios, Arien.)
11Geltende Note, im Gegensatz zu den durchgehenden oder Nebennoten; auch Hauptnote genannt, die bezifferte oder anschlagende Note.
13Geltung. Der Werth der Noten und Pausen in Beziehung auf ihre Dauer. Diese ist theils bestimmt, theils unbestimmt. Bestimmt ist sie in Bezug auf die Verschiedenheit der Notengattungen, insofern eine ganze Note jederzeit den doppelten Zeitraum einer Halben, diese wieder den doppelten eines Viertels einnimmt u. s. w. Unbestimmt hingegen ist die Dauer der Noten in Beziehung auf die von dem Tonseger vorgeschriebene, oder durch den Charakter des Tonstückes bedingte Bewegung des Tactes. So ist in einem Allegro z. B. die Geltung eines Viertels weit kürzer als in einem Abagio.
15Gemälde, ein Werk der Malerei. In der Musik ein Tonstück, in welchem der Komponist durch besondere Arten der Tonbewegung und Combination Naturerscheinungen nachzuahmen, und Naturgegenstände zu schildern sucht. Ueber den Werth vergleichenden Nachahmungen s. unter Malerei. Ein musterhaftes Naturgemälde in Tönen ist die Pastoral-Sinfonie mit ihrem der innersten Natur abgelauschten Wonneleben in Wald und Flur, in Sommerluft und Sonnenschein. Die buchstäbliche Einführung des Kukus, nebst Nachtigall und Wachtel, ist als Malerei zwar verwerflich, als augenblickliche Spielerei jedoch zu entschuldigen, und steht durchaus auf keiner höheren Stufe der ästhetischen Schönheit, als Haydn's bekannte Schöpfungen der Art.
17Gemein. Es giebt in Leben, Wissenschaft und Kunst des Gemeinen so viel, daß es unsrern Lesern ohne Ausnahme auf ihrem Lebenspfade wohl schon begegnet sein wird, und also ein tieferes Eindringen in den Gegenstand überflüssig ist. In der Musik nennt man, außer vielen Menschen, die ihre Kunst treiben, wie es eben aller Mangel an Seelenadel zulässt, nichts gemein, als: im Generalbasspielen die Art der Begleitung, bei welcher alle auf die Grundnote fallenden Stimmen mit der rechten Hand gegriffen werden; und im Contrapunkt solche Stimmen, die sich nicht untereinander verkehren lassen. Erstere nennt man gemeine oder ungetheilte Begleitung, im Gegensatz zur getheilten (s. d.); Letzteres, im Gegensatz zum

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