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Scan 367
Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840
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1Paraphonie (gr. Misflang), die melodi- sche Fortschreitung in Consonanzen überhaupt, insbesondere der Quarten und Quinten, als übelklingend. Auch s. v. a. Fehler der Stimme.
2Paraphonist, Vorsänger.
3Parhypate, der vorlegte hohe Ton im griechischen Tonsystem; s. Tonsystem d. A.
4Paris (Guillaume Aleris), zu Lüttich 1756 geb., ausgezeichnet als Musikdirektor, bildete sich in Frankreich, England, Holland und den Niederlanden, wo er zuletzt in Brüssel als solcher angestellt war. 1794 dirigirte er die franz. Truppe in Hamburg, wo er das Orchester zu hoher Vollkommenheit erhob. Hier verehlichte er sich mit der Schwester des berühmten C. F. G. Schwenke, und folgte 1799 einem Rufe nach Petersburg, wo er noch lebt. Die von ihm komponirten Balette fanden großen Beifall.
5Parlando (ital.), redend; singend der Rede sich nähern; kommt oft bei einzelnen, kurzen Stellen vor, und bedeutet, daß der Gesang gleichsam sprechend vorgetragen werden soll. Erstreckt sich dies Parlando über ein ganzes Gesangstück, so daß jede Silbe eine Note erhält, wie das häufig in der komischen Oper mit Effekt angebracht wird, so heißt eine solche Arie Aria parlante. Die Italiener sind große Meister in der Komposition sowohl als der Ausführung solcher Arien. Cimarosa, Paisiello und Rossini haben darin Treffliches geleistet.
6Parodie (griech. Nebengesang), 1) s. v. a. Antiphonie im Wechselgesange; 2) der veränderte Text eines schon komponirten Gesangstücks.
7Parodist (griech.), der zum Lachen oder Spott einen Gesang nachahmt.
8Parodos (griech.), im tragischen Chor der Anfang des Gesanges, wo der ganze Chor singt, doch so, daß manchmal der Koryphäos allein unter Begleitung der Flöte declamirt.
9Parrhesie (griech.) nannte man früher die schulgerechte Folge der Töne mi fa, d. h. die Vermeidung des Querstandes (s. d.).
10Parry (James), Organist zu Roß und Komponist, einer der vorzüglichsten Orgelspieler Englands, war blind, und dictirte seine Memoiren, die 1770 erschienen.
11Parson (Will.), um 1750 in London geb., Schüler Sacchini s, wurde 1787 Musikdirektor und gehört zu den talentvollsten englischen Musikern. † 1810. (Geburtstagsoden.)
12Parsons (Robert), aus Exeter, wurde 1563 Mitglied der Kapelle der Königin Elisabeth und dann Organist an der Westminster-Abtei. Ertrank am 25. Jan. 1569. (Geschätzte Kirchenstücke; Enforced by Love, Gesang f. 5 Stimm.)
13Parte, Theil, Hauptstimme; s. Colla.
14Partialtöne, s. v. a. Aliquottöne.
15Partie (ital. Partita), eine einzelne ausgeschriebene Stimme; vergl. Suite.
16Partimento (ital.), die bezifferte Bassstimme: in der Mehrzahl Partimenti, Übungstücke zur Begleitung beziffertener Bässe.
17Partito (ital.), in Stimmen verheilt.
18Partitur oder Sparte (vom ital. Partire oder Spartire, trennen, vertheilen), Partitura, Partizione, Spartizione, Spartito (ital.), Partition (franz.), Score (engl.), die übersichtliche Zusammenstellung aller Stimmen eines Tonstücks, nach welcher die Aufführung desselben geleitet wird. Die formelle Einrichtung der Partituren ist sehr verschieden; häufig findet man sie wie folgt: (von oben) Flauti, Oboi, Clarinetti, Fagotti, Clarini, Corni, Tromboni, Timpani, Violino 1. Vo. 2. Viola, Violoncello, Basso; Singstimme über dem Bass oder der ersten Violine. Oft auch stehen Pauken und Blechinstrumente oben, nimmer aber dürfen die vier Singstimmen bei Singstücken, oder bei Instrumentalsachen die vier Hauptstimmen durch dazwischen gesetzte Füllstimmen von einander getrennt werden, so wie Violoncello und Contrabass als Grundstimme die letzten (untersten) Systeme einnehmen müssen. Zur Ersparung des Raums werden zwei gleichnamige Instrumente, 2 Hörner, 2 Flöten usw. gewöhnlich auf ein System gebracht, das erste oben, in aufwärts, das zweite unten, in abwärts gestrichenen Noten; desgleichen Trommeln, Becken und Triangel, die zuweilen statt fünf nur eine Linie bekommen. Vergl. auch Instrumentierung.
19Partiturspielen. Das Verfahren, wenn ein Clavierspieler die verschiedenen Theile eines Tonstücks statt aus dem Clavierauszuge aus der Partitur spielt; welche Fertigkeit nicht anders als durch große Uebung erlangt werden kann.
20Parhypate (griech.), s. Tonsystem d. A.
21Parhypate hypaton (gr.), unser kl. c.
22Parhypate meson (gr.), unser kl. f.
23Parzsch (C. G.), Organist und Singlehrer zu Meissen. (Variationen, Tänze.)
24Pas (franz.), Pas; die Schritte oder Bewegungen mit den Füßen, wie sie in den verschiedenen Tänzen vorkommen. Man unterscheidet gewöhnlich: pas battus (geschlagene Pas), pas droits (gerade P.), pas elevés (erhabene P.), pas glissés (schleifende P.), pas ouverts (geöffnete P.), pas pliés (gebogene P.), pas ronds (runde P.), pas tortillés (gekrümmte P.) u. s. w. Aus diesen einzelnen Schritten werden die zusammengesetzten oder Pas im engern Sinne gebildet, welche mit der Tactart der Tanzmusik übereinstimmen müssen;
25Pas nennt man auch ganze Tänze, welche keine Soli sind, sondern durch zwei, drei und mehr Tänzer zugleich ausgeführt werden, als Pas de deux, Pas de trois u. s. w.
26Pas accéléré oder redouble, Quickmarsch; s. Marsch.
27Pas de hache (fran.), Arttanz, ein Tonstück von wildem, kriegerischen Charakter, unterstützt von allen lärmen den Instrumenten, bestimmt zum Tanz, welchen in großen theatralischen Vorstellungen, Soldatentruppen und Comparsen auszuführen haben.
28Pas ordinaire, Parademarsch, 4.
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