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Scan 402
Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840
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1Romberg. Die Angaben über diese berühmte Künstlerfamilie sind, was Vornamen und Daten betrifft, nach vorliegenden Handschriften der Frau Dr. Andreas und des Hrn. Kapellmeister Bernard Romberg, folglich echt. Stammväter der Familie sind zwei Brüder, Söhne Balthasar's:
31) Anton, geb. 1742 (?), † am 14. Dec. 1814, Mitglied der ehemal. Hofkapelle zu Münster, Fagottvirtuos. Gab 1799 zu Hamburg ein großes Familienconcert, welches großes Interesse erregte. — Seine Kinder waren:
4Romberg (Bernard Heinrich), der Schöpfer des heutigen Violoncellspiels, am 11. Nov. 1770 zu Dinklage im Münsterschen geb., war 1790 mit seinem Vetter Andreas zugleich Orchestermitglied in Bonn, wo der Kurfürst von Köln, ein großer Beförderer der Kunst, selbst für die höhere Ausbildung der beiden Jünglinge sorgte. Nach Auflösung aber der Kapelle 1793, in Folge der französischen Invasion, war Anton mit Sohn und Neffen im Orchester zu Hamburg angestellt, und hier verheiratete Bernard sich am 6. Oct. 1800 mit Anna Catharina Ramcke. 1801 war er Professor am Pariser Conservatorium, kehrte 1803 nach Hamburg zurück; trat 1805 in die Hofkapelle in Berlin ein, legte jedoch bei Spontini's Uebernahme des Direktorats 1820 seine Stelle nieder, und privatisierte seitdem abwechselnd in Berlin und Hamburg, wo er sich häuslich niederließ. Seine Virtuosität ist weltberühmt, was jede Charakterisierung überflüssig macht. Beim Spiel hat er den Anschein eines gemüthlichen Improvisators, der mit allen Schwierigkeiten keck und anmutig nur zu tändeln scheint. Auch als Komponist versuchte er sich in allen Stilen; doch fanden seine Bühnenkompositionen weniger Beifall als seine Meisterwerke für das Violoncell. (Concerte, Quartette, Variat. über russ., schwed. und schottische Nationallieder; Opern, z. B. Rittertreue, der Schiffbruch, Ulysses und Circe.) Von den sechs Kindern Bernard's blieben am Leben:
5Andreas, am 19. April 1806 in Berlin geb., Architect in Hamburg.
6Bernardine, seit 1826 Gattin des Kaufmanns und Stadtraths Gustav Hildebrand in Berlin, geb. am 14. Dec. 1803. one of two readings
7Bernardine, seit 1826 Gattin des Kaufmanns und Stadtrath's Gustav Hildebrand in Berlin, geb. am 14. Dec. 1803. one of two readings
8Carl, Violoncellist; s. unten.
9Ferdinand Adolph, am 10. Mai 1814 zu Berlin geb., gegenwärtig in Havanna, widmete sich dem Handelsstande; als Di-lettant ein guter Violoncellist.
10Romberg (Anton), geb. am 6. März 1771 zu Münster; Fagottvirtuos, Kapellist in München.
11Romberg (Angelika), seit 1804 Gattin des Consistorialrats Prof. J. C. Schlüter, ausgezeichnete Sopransängerin und Claviervirtuosin zu Münster, wo sie noch jetzt bei der Domkapelle fungirt, erhielt ihre musik. Bildung vom Vater, unter Beihülfe des Org. Antony und des Sängers Simonetti; geb. daselbst am 21. Juli 1775.
12Romberg (Carl), Sohn Bernard's, am 17. Jan. 1811 zu Moskau geb., Violoncellvirtuos, seit 1830 Violoncellist am deutschen Theater in Petersburg.
142) Gerhard Heinrich, d. 8. Aug. 1745 (?) geb.; Musikdirektor zu Münster, Klarinettvirtuos. † am 14. Nov. 1819. — Seine Kinder waren:
15Romberg (Jacobus Andreas), zu Wechte im Münsterschen geb. am 27. April 1767, einer der vorzüglichsten deutschen Instrumentalkomponisten und ausgezeichneter Violinvirtuos, trefflicher Quartettspieler. Andreas und sein Vetter Bernard liessen sich schon im siebenten Jahre in einem Concerte hören, und bereisten später zusammen Deutschland, Frankreich und Italien. In Paris komponirten sie im J. 1800 gemeinschaftlich die Oper „Don Mendoze" für Feybeau. 1801 verheirathete sich Andreas mit Magdalena Ramcke in Hamburg und liess sich daselbst häuslich nieder; dort ergab er sich der Komposition und lieferte besonders im Gebiete der Sinfonie und des Quartetts vieles Vortreffliche. In der Gesangskomposition war er weniger glücklich. Im Jahre 1809 wurde ihm als Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste von der Universität zu Kiel das Doctor-diplom übersandt. 1815 ging er an Spohr's Stelle als Musikdirektor nach Gotha, wo er am 10. Mai 1821 starb. (10 Sinfonieen, 23 Concerte, 33 Quartette, 3 Quintette, 6 Duo's, 8 Opern, z. B. die Ruinen von Paluzzo, der Rabe, das graue Ungeheuer u. c.; Cantaten, z. B. die Harmonie der Sphären, die Glocke, die Macht des Gesanges; mehrere Liedersammlungen; Kirchenstücke u. c.) Von seinen zwölf Kindern sind außer vier Töchtern, von denen sich keine der Musik widmete, noch am Leben folgende vier Söhne:
16Heinrich Maria, s. unten.
17Ernst August, am 17. Febr. 1805 in Hamburg geb., seit 1833 etabliert Kaufmann in Rio Janeiro.
18Cipriano, geb. 1807, s. unten.
19Andreas, am 18. Dec. 1818 zu Gotha geb., widmete sich dem Handlungständen.
20Romberg (Balthasar), Violoncellist, 1777 zu Münster geb., † daselbst am 25. Juli 1793.
21Romberg (Therese), Altistin bei der Domkapelle zu Münster; geb. daselbst 1778; ausgezeichnete Sängerin; Schülerin ihres Vaters, des Domorg. Antony u. des Sängers Simonetti.
22Romberg (Cipriano Friedr. Marianne), am 28. Oct. 1807 zu Hamburg geb., Sohn des Andreas, Schüler Bernard's, war von 1827 bis 1830 als dritter Violoncellist bei der italienischen und ist seit 1835 erster Violoncellist bei der deutschen Oper in Petersburg angestellt. Von 1830 bis 1833 war er in Dorpat bei Hrn. von Eiphart's Quartett, und machte in den Zwischenjahren Kunstreisen in Dänemark, Schweden und Deutschland.
23Romberg (Heinrich Maria), Bruder des vorhergehenden, am 4. April 1802 in Paris geb., Violinist; seit 1827 Concertmeister am deutschen Theater in Petersburg.
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