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Scan 502
Musikalisches Conversations-Lexikon : Encyklopädie der gesammten Musik-Wissenschaft für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, 1840
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1Belluti (G. B.)
2Im Jahre 1374 gab es solche bömonisch Ergriffene, die während des rasenden Tanzes den Himmel offen sahen mit dem thronenden Heilande und der Mutter Gottes. Nach wenigen Monaten war diese Wuth mit seltsamen Verschiedenheiten über die Niederlande verbreitet. Sie nahmen sogar die Gotteshäuser ein, wollten nicht selten die Priester ermorden, weshalb man sie für Teufelsbesessene erklärte, gegen solches Uebel Umzüge hielt, Messen las und kirchliche Gesänge anstimmte. Die rothe Farbe machte sie ganz besonders wilb. Die Zahl der Rasenden vermehrte sich auf eine schreckliche Weise und ihre Zugelosigkeit brachte die abscheulichsten Auftritte hervor. Nichts hatte Gewalt über sie als die Musik; von ihr wurden sie heftig ergriffen und entweder besänftigt oder ihre Raserei nur noch mehr erregt und verstärkt und dadurch meist eine heilsame Krisis herbeigeführt. Die Obrigkeit miethete daher Musiker, die Anfälle schneller vorüberzuführen. Als im J. 1418 Strasburg mit dieser Plage heimgesucht wurde, ließ der Magistrat die Rasenden unter unaufhörlicher Begleitung von Musik zu den Kapellen des heiligen Veit nach Zabern und Rothenstein geleiten, der bekanntlich unter die vierzehn heiligen Nothhelfer der Apotheker versezt worden war (daher der Name), und Sachpfeifer begleiteten, selbst wie toll, die Tag und Nacht Tanzenden. In der Mitte des 16. Jahrhdtts nahm die Seuche ab; der dreißigjährige Krieg zerstörte sie vollends, während sie in Italien als Tarantismus (s. d.) blühte, ebenfalls nur der „unvergleichlichen Macht der Töne" weichend, so daß zu Anfang des 17. Jahrhdtts. während der Sommermonate ganze Scharen von Spielleuten Italien durchzogen. Von jener Musik, welche die Veitstänzer theils zur Wuth brachte, theils besänftigte, ist leider nichts übrig geblieben. Es wird nur angegeben, daß sie vom schnelleren zum langsamern Tacte und von hohen Tönen allmählig zu den tiefen übergegangen wäre. (Bergl. Tanzwuth u. Beisp. 160, 61.)
3Belluti (Giov. Battista), berühmter Alt-sänger, 1805 in Neapel, später in Wien, dann bei der italienischen Oper zu München angesetzt, 1827 in London, lebt seit 1829 auf seinem Landgute bei Padova.
4Veloce, schnell u. leicht, ähnlich dem Presto.
5Velocissimo, der höchste Grad von Veloce.
6Beltheim (Charlotte), geb. am 30. März 1803 zu Breslau; berühmte Sängerin beim Hoftheater zu Dresden, vormals zu Bamberg. Auch ausgezeichnete Pianistin. (Variat.; Lieder.)
7Venetianische Schule des 16. Jahrhunderts, ausgezeichnet und berühmt durch die großen Meister, die aus ihr hervorgingen. Zu ihr gehören Cypriano de Rore, il divino genannt, Jarlino der größte Theoretiker des Jahrhdtts., ja Reformator der Theorie, Costanzo Porta, einer der größten Contrapunktisten; Gelehrte und Schriftsteller, wie Alfonso della Viola, Nicolo Vicentino und viele andere tüchtige Tonsezer, deren Schüler sich wiederum in mehreren Städten Oberitaliens niederliessen und durch Unterricht und Composition ihre Kunst und Wissenschaft verbreiteten. Der Stifter der Schule war der Niederländer Hadrian Willaert (s. d.) und obgenannte sämtlich seine Jöglings.
8Veniancte spiritus (Komm, heiliger Geist), ein in der katholischen Kirche üblicher uralter kanonischer Gesang, dessen Versfertigung dem König Robert von Frankreich um das Jahr 1003 zugeschrieben wird, und auch in die protestantischen Choralbücher übergegangen ist.
9Venosa (Don Carlo Gesualdo, Fürst von), zu Neapel, „der Fürst der Tonkünstler" genannt, Jöglings Pomponio Nenna's, († 1614) ein vornehmer Dilettant; komponirte eine große Anzahl von Madrigalen, die zu jener Zeit ungemein beliebt, viel gesungen und hochberühmt gewesen sein sollen.
10Ventil, frz. Soupape, Piston; an Orgeln und Blasinstrumenten eine Vorrichtung, welche dazu dient, den Rückgang des Luftzugs aufzuhalten.
11Ventilhorn, Cor à pistons; s. Horn.
12Vento (Ivo de), Kapellmeister in München im 16. Jahrhdt., ein außerordentlich berühmter Liederkomponist. † um 1594. (Eine große Anzahl geistlicher und weltlicher Lieder.)
13Vento (Matthias), beliebter Komponist, geb. um 1740 zu Neapel, † um 1777 als Operndirektor zu London. (Opern.)
14Ventre (frz.), Schwingungsknoten.
15Venusto (ital.); s. v. a. graciosso, anmuthig.
16Verachten, Sdegnante, Sdegnoso.
17Veracini (Antonio), Onkel und Lehrer des nachfolgenden, ebenfalls ein für seine Zeit ausgezeichneter Meister auf der Violine; blühte gegen Ende des 17. Jahrhdtts. (30 Sonaten für Violine.)
18Veracini (Francesco Maria), geb. aus Florenz, nächst Tartini der vorzüglichste Violinvirtuos seiner Zeit, berühmt durch seine Reizbarkeit und seinen beispiellosen Hochmuth. Im J. 1714 zu Venedig, wo er mit dem dazu verschriebenen Tartini in einer Academie auftrat, machte sein kühnes und großartiges Spiel auf diesen einen so gewaltigen Eindruck, daß er sogleich abreiste und sich nach Ancona zurückzog, um durch unablässiges Ueben sich eine ähnliche Fertigkeit anzueignen. Um 1720 folgte Veracini einem Ruf als Kammerkomponist nach Dresden, versiel hier aber, in Folge einer bei einem Hofconcerte erlittenen Demuthigung, in Wahnsinn und stürzte sich zwei Stock hoch zum Fenster hinaus. Zwar kam er mit einem Beinbruch davon, mußte aber lebenslänglich hinken. Raum geheilt, verließ er Dresden, ging nach Prag und bald darauf nach London als Direktor eines stehenden Concerts. 1746 auf seiner Rückreise in sein Vaterland litt er Schiffbruch und verlor nebst all seinen Habseligkeiten auch seine beiden schönen Stainer-Geigen, die für die besten der Welt galten und die er St. Peter und St. Paul zu nennen pflegte. Er mußte in traurigster Lage und Stimmung nach London zurück, und
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