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Scan 191
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
17 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 175. See the scan on archive.org.
1Die „Guitarre d’amour“ wurde von Johann Georg Stauffer zu Wien i. J. 1823 erfunden; über die Erfindung wurde in No. 18 (Sp. 280) des 25. Jahrgangs der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ folgendermaßen berichtet:
2„Der unermüdet thätige Instrumentenmacher, Hr. Stauffer, . . . hat ein neues Instrument bekannt gemacht, welches er Guitarre d’amour nennt, der Form nach den gewöhnlichen Guitarren ähnlich, nur von größerem Umfange, mit besponnenen und Darmsaiten bezogen, welches aber nicht mit den Fingern gegriffen, sondern mittels eines Bogens gestrichen wird, an Schönheit, Fülle und Lieblichkeit des Tones in der Höhe der Hoboe, in der Tiefe dem Bassethorne sich nähert, zur vorzüglich erleichterten Ausführung der chromatischen Passagen selbst in Doppelgriffen ganz besonders geeignet ist, und welches von allen Sachverständigen als eine wünschenswerthe Kunstbereicherung angerühmt wird.“
3In No. 38 (Sp. 626) desselben Jahrgangs wird ein „kleiner Federkrieg“ erwähnt, der wegen der Priorität dieser Erfindung zwischen Stauffer und dem Geigenbauer Peter Teufelsdorfer in Pest entbrannt war. — Eine Beschreibung des Instruments findet sich auch im 1. Band (1824) der bei B. Schott Söhne in Mainz verlegten Zeitschrift „Caecilia“ (S. 168/69); die dort beigefügte lithographische Abbildung stimmt genau mit dem vorliegenden Instrument No. 609 überein. Vgl. ferner: „Anleitung / zur Erlernung des von Hrn: / Georg Staufer / neu erfundenen / Guitare-Violoncells. / Verfasst von / Vinc. Schuster . . . Wien, / bey A. Diabelli & Co: / No. 2052“.1)
4Es gelang Stauffer, für sein „Arpeggione“ das Interesse Franz Schuberts zu erwecken, der für das neue Instrument im November 1824 eine Sonate (A-moll) mit Pianoforte komponierte, die bald darauf Vincenz Schuster zur öffentlichen Aufführung brachte. — Das Werk ist dreisäitig (Allegro moderato, Adagio, Allegretto); es beginnt:
6Piano
8Einen nachhaltigen Erfolg hat Stauffers „Guitarre d’Amour“ nicht gehabt; das Instrument geriet etwa bereits nach einem Jahrzehnt in eine wegen seines Zwittercharakters wohlverdiente Vergessenheit.
10No. 610. Bogenguitarre („Chitarra col arco“)
11aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Korpus des eigenartigen Instruments, das beim Spielen ebenfalls mit einem Bogen gestrichen und wie eine Viola da Gamba zwischen den Knien gehalten wurde, lehnt sich in der Form an eine Alt-Gambe an; nur ist die Decke ohne jede Wölbung und die Zargeneinbiegungen sind länger als bei der Gambe. Auch die F-Löcher erinnern an die bei alten Violen übliche Form. — Boden und Zargen sind aus rötlichbraun lackiertem Ahornholz.
12Bezug und Mensur entsprechen der gewöhnlichen Guitarre. Das Griffbrett trägt 15 messingene Bünde.
13Gesamtlänge 96 cm, Korpuslänge 44 cm, Breite 27 1/2 cm, Zargenhöhe 7 1/2 cm.
151) Ein Exemplar dieser seltenen „Anleitung“ befindet sich in der Bibliothek des Museums.
162) Zuerst erschienen 1871 bei J. P. Gotthard in Wien; in der Gesamtausgabe von Breitkopf & Härtel als No. 8 in Serie VIII enthalten. — Vgl. G. Nottebohms „Thematisches Verzeichniss“ (Wien 1874), S. 207. Das Nottebohm anscheinend unbekannt gebliebene Autograph der Sonate (22 SS. quer-fol.) tauchte i. J. 1895 auf einer Versteigerung im Antiquariate Albert Cohn zu Berlin auf.
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