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Scan 413
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
8 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 397. See the scan on archive.org.
1Nachbildung auf Seite 395), das als Frühwerk des Meisters gilt, also um 1550 entstanden sein kann. Das betreffende Instrument weist in den Einzelheiten eine so große Uebereinstimmung mit dem »Lirone da braccio« von V. Linarolo (No. 780) auf, daß die Vermutung naheliegend erscheint, der Maler habe ein derartiges Instrument als Vorlage für sein Bild benutzt. Eine auch in der Größe genau der Abbildung bei Praetorius entsprechende »Lira da braccio« ist auf dem allegorischen Gemälde „das Gehör“ des flämischen Malers Jan Brueghel („Sammet-Brueghel“, geb. 1568 zu Brüssel, gest. 1625) sichtbar, das durch die zahlreichen auf ihm getreu wiedergegebenen Musikinstrumente besonderen wissenschaftlichen Wert besitzt und in einem Ausschnitt dem vorliegenden Katalog als Titelbild beigefügt ist. Es stammt aus dem ersten Viertel (1605—20) des 17. Jahrhunderts1) und befindet sich jetzt im Prado-Museum zu Madrid. —
3Bei einer Betrachtung der auf Gemälden oder Stichen erkennbaren Uebergangsformen, die die allmähliche Entwicklung des Violintyps aus der »Lira da braccio« veranschaulichen, ist in erster Reihe die bereits oben erwähnte Darstellung der violinähnlichen Lyra zu nennen, die auf dem Raffaelischen Gemälde „die Krönung der hl. Jungfrau“ v. J. 1502 erkennbar ist:2) die abgerundete Korpusform des betreffenden Instruments entspricht genau der Lyra Apollos auf der Federskizze zum „Parnass“; der Bezug besteht jedoch nur aus drei Griffbrettsaiten, zu denen ursprünglich — wie sich aus dem vierten Wirbel und dem Hilfswirbel an der Seite des Wirbelkastens folgern läßt — noch eine weitere Griffbrett- und eine einzelne Bordunsaiten gehörte: es ist hier mithin eine »Lira da braccio« dargestellt, bei der eine Verringerung des anfänglich siebensaitigen Bezugs auf fünf Saiten nachzuweisen ist. — Eine violinförmige »Lira da braccio« nach Entfernung der beiden Bordunsaiten — also eine Violine mit fünfsaitigem Bezug und Lyra-Wirbelkasten — zeigt ein der Museumssammlung angehörender Holzschnitt auf dem Titelblatt eines Venezianer Drucks v. J. 1578, Orpheus inmitten der Tiere darstellend. Derselbe Vorwurf liegt einem Kupferstich des 17. Jahrhunderts zugrunde, der nach einem Gemälde von Bassano (vermutlich von einem der Söhne des Jacopo da Ponte aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts) von Jan van Ossenbeck (1627—1685) verfertigt ist; die »Lira da braccio«, die Orpheus im Arme hält, hat ausgesprochene Violinform und viersaitigen Bezug, aber sechs Wirbel im Wirbelbrett; sie stimmt demnach in Bau und (ursprünglicher) Besaitung mit einem mit vier Griffbrett- und zwei Bordunsaiten bezogenen größeren »Lirone da
51) Diese Zeitbestimmung läßt sich aus den Madrigal-Stimmbüchern folgern, die auf den Notenpulten des auf dem Gemälde abgebildeten Tisches aufgeschlagen liegen; es handelt sich um den Druck des zweiten Bandes der sechsstimmigen Madrigale von „PIETRO PHILIPPO INGLESE“, dessen beide Ausgaben 1603 u. 1615 zu Antwerpen erschienen. (Vgl. E. Vogel, „Bibliothek der gedruckten weltlichen Vokalmusik Italiens“, 2. Band, Berlin 1892, S. 79.) — Auf dem als Titelbild des Katalogs wiedergegebenen Ausschnitt des Gemäldes sind außer einem zweimanualigen Clavicymbel (von Ruckers?), einer sechssaitigen Pandurina und verschiedenen Blasinstrumenten (Posaune, Zinken, Altpommern etc.) eine Pochette, eine Tenor-, eine Alt- und drei Diskant-Viole da Gamba und die oben erwähnte »Lira da braccio« erkennbar; im Hintergrunde ist in einem Nebengemach eine musizierende Gesellschaft (Sänger mit Flöten-, Lauten- und Gambenspielern) dargestellt. In der Mitte des Gemäldes ist eine sitzende nackte Nymphe abgebildet, die sich zu ihrem Gesange auf einer Laute begleitet; rechts im Vordergrund sind außer verschiedenen Jagdgeräten und Uhren etc. eine Harfe, ein Hifthorn und zwei (zum sog. „Clarinblasen“) benutzte »Jägertrommeln« verschiedener Größe sichtbar.
72) Abbildung in Rühlmanns Atlas, Tafel VIII Fig. 21.
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