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Scan 435
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
15 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 419. See the scan on archive.org.
1Lire da gamba.
3No. 782. Lira da gamba
4mit gedrucktem Zettel: „Antonius Brensius Bonon. [Bononiensis = aus Bologna] 1592“. — Das instrument zeigt die typische Form der Baßlyren, d. h. im allgemeinen dem Violoncell-Typ ähnliche Korpuskonturen mit ausgeprägten Mittelbügeln und scharf hervortretenden Ecken; das Korpus ist jedoch von etwas gedrungenerem Bau als beim Violoncell mit verhältnismäßig kurzen Oberbacken. Charakteristisch ist ferner die Bauart der Decke, die sich von der Mitte aus in scharfen Kanten nach den Ecken zu abschrägt.
6Boden und Zargen sind aus schön geflammtem Ahornholz. Der rötlichgelb lackierte zweiteilige Boden ist flach und im oberen Teil wie bei den Gamben abgedacht; an den Rändern sind doppelte Aederchen eingelegt, die oben, unten und an den Ecken in verschlungene Ornamente auslaufen. In die mäßig gewölbte Decke sind ebenfalls doppelte „Flödeln“ eingelegt; die beiden Schalllöcher sind von eigenartig geschweifter Form. Unterhalb des kurzen Griffbretts ist in die Decke außerdem ein rundes Schalloch mit einer (ergänzten) geschnitzten Rosette eingeschnitten. — Das vorliegende Instrument war ehemals zu einem Violoncello umgearbeitet; Saitenhalter, Griffbrett, Hals und Wirbelkasten mußten daher ergänzt werden.
8Bezug und Anlage des Wirbelkastens entsprechen der folgenden »Lira da gamba« No. 783. Das Griffbrett trägt (ebenso wie bei No. 783 und 784) lose (Darm-) Bünde.
10Gesamtlänge 1,03 m, Korpuslänge 62 1/2 cm, obere Breite 34 1/2 cm, untere Breite 41 1/2 cm, Zargenhöhe 11 1/2 cm.
11Abbildungen auf Seite 421, Nachbildung des Zettels auf Seite 609.
13No. 783. Lira da gamba
14mit gedrucktem Zettel: „D. Francesco q. Gaspar da Sa-/lò, in Brescia“, aus dem zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts (ca. 1612). — Bauart und Ausstattung des Instruments zeigen dieselben Charakteristika wie die vorhergehende »Lira da gamba« von Antonio Brensio. Der bräunlichgelb lackierte, ebenfalls flache und oben abgedachte zweiteilige Boden ist aus schön geflammtem Ahornholz. Um Boden- und Deckenrand sind doppelte Aederchen eingelegt; der Boden wird außerdem in der Fuge von einer einfachen Ahornader durchzogen. Die beiden Schalllöcher zeigen dieselbe eigenartig geschweifte Form wie bei No. 782, sind aber hier einander abgekehrt und ziemlich hoch oberhalb des Steges in gleicher Höhe mit den Mittelbügeln eingeschnitten. Unterhalb des kurzen Griffbretts befindet sich ein von doppelten Ahornadern eingefasstes rundes Schalloch mit einer aus dem Deckenholz geschnitzten hübschen Rosette. — Saitenhalter und Wirbelkasten sind, da die Lyra ebenso wie No. 782 zu einem Violoncello umgearbeitet war, moderne Ergänzung und mit hübschen Schnitzereien im Spätrenaissance-Stil verziert.
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