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Scan 444
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
6 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 428. See the scan on archive.org.
1Steg begünstigten ein Akkordspiel, da der Bogen bequem drei Saiten gleichzeitig berühren konnte. (Ueber die konstruktiven Eigenheiten der Violininstrumente s. Seite 509 des Katalogs.)
3Der den Violen eigentümliche Klangcharakter hat in der Tiefe ziemlich dumpfe, in der Höhe zarte, wenn auch etwas näselnde Färbung; der Ton ist nur klein und wenig tragfähig. „Die Bestandteile, welche diese Klangfarbe zu bedingen scheinen, sind die hohen Zargen und der nahezu flache Boden; denn durch beides wird die minder scharfe Spannung der vibrierenden Hauptteile herbeigeführt, welches wesentlich dazu beiträgt, den Ton weich und zart zu machen. Sowohl dieses äußere Merkmal als seine innere Folgewirkung bedingen auch den scharfen Gegensatz der alten Instrumentengattungen gegen die [später] aufkommende Violine, die sich von diesem Grundcharakter durch das direkte Gegenteil unterscheidet, nämlich durch den stets mehr oder minder gewölbten Boden und die knapp bemessenen Zargen. So lange die Vorliebe für einen weniger glänzenden als sonoren und weichen Ton bei Spielern und Hörern sich erhielt, blieben auch die verschiedenen Arten der Violen in Aufnahme, ja sie behaupten vom Anfange des 17. Jahrhunderts an vor allen anderen Instrumenten den Vorzug und bilden sich auch nach der technischen und künstlerischen Seite, so weit als ihre Eigentümlichkeit es nur irgend zuließ, nach Möglichkeit aus. Als man aber zu einem schärferen und helleren Tonkolorit vorschritt, die Blasinstrumente in ihrer Konstruktion verbesserte und dieselben häufiger mit Bogeninstrumenten in Verbindung brachte, traten die Violen in den Hintergrund, ja sie wurden von den vollkommeneren Violinen und deren Nebeninstrumenten nahezu vollständig verdrängt.“ (Rühlmann, a. a. O., S. 257/58.)
5Die Familie der Violen gliedert sich in zwei Hauptgruppen, die nach ihrer Bauart und der sich daraus ergebenden Haltung beim Spiel als »Viole da braccio« (im Arm gehaltene Diskant- und Altviolen) und »Viole da gamba« (Gamben; zwischen den Knien gehaltene Tenor- und Baßviolen) bezeichnet werden; hieran reiht sich als (16füßiges) Contrabassinstrument die stehend gespielte große Baßviole („Groß Viol da gamba-Baß“) an. Das wichtigste Instrument der ganzen Gruppe ist die »Tenor-Viola da gamba« (frz.: »Basse de Viole«), die sich ihrerseits wieder zu einem vollständigen Chor entwickelte (s. u., Seite 433 f.). — Betreffs der Quellenschriften, die über die schon im 16. Jahrhundert gebräuchlichen, in vier verschiedenen Größen gebauten sechssaitigen Violen Aufschluß geben, vgl. Seite 368 u. 369 des Katalogs; die dort mitgeteilten Stimmungsangaben blieben auch während des ganzen 17. und 18. Jahrhunderts vorherrschend.
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