Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 450

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

11 lines. Read by computer on 29 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 434. See the scan on archive.org.

1Mattheson (a. a. O., S. 284) nennt die Gambe mit Recht „ein schönes delicates Instrument“; ihr Ton ist etwas näselnd („säuselnd“), aber wegen seiner sanften, melancholischen Färbung von eigenartigem Reiz, wie ihn kein anderes Streichinstrument besitzt; namentlich die höchste (d¹-) Saite klingt zart und ausdrucksvoll und übertrifft an Weichheit selbst die a-Saite des Violoncells. Ihrem ganzen Charakter nach war daher die Gambe ein Solo- und Konzertinstrument „par excellence“; doch war ihre Verwendung sehr vielseitig, da sie vermöge ihrer das Akkordspiel erleichternden Stimmung auch als Generalbaß- und Begleitinstrument im Orchester und in der Kammermusik benutzt wurde.¹) — Die Haltung der »Viola da gamba« beim Spiel entsprach im allgemeinen der des Violoncells; die abweichende Besaitung, das mehrstimmige Spiel und die in der älteren Musik üblichen zahlreichen Verzierungen („Agréments“) erforderten jedoch eine von der Behandlung des Violoncells gänzlich abweichende Applikatur und Technik. Verschieden von der heutigen Praxis war auch die Bogenhaltung und die bei allen Violen in schiebender Bewegung erfolgende Bogenführung. Der Bogen wurde — wie es heute nur, noch beim Contrabaß üblich ist, bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts aber auch beim Violoncell gebräuchlich war — in der Weise gehalten, „daß der Daumen in die Höhe stand und der mittelste große finger nebst dem Goldfinger in dem froße widerhielten, der Spitz-[Zeige-]finger aber sich oben überlegte und sich der Daumenspitze näherte“.²) (Joh. Samuel Petri, „Anleitung zur praktischen Musik“, Leipzig 1782.) one of two readings
2Mattheson (a. a. O., S. 284) nennt die Gambe mit Recht „ein schönes delicates Instrument“; ihr Ton ist etwas näselnd („säuselnd“), aber wegen seiner sanften, melancholischen Färbung von eigenartigem Reiz, wie ihn kein anderes Streichinstrument besitzt; namentlich die höchste (d¹-) Saite klingt zart und ausdrucksvoll und übertrifft an Weichheit selbst die a-Saite des Violoncells. Ihrem ganzen Charakter nach war daher die Gambe ein Solo- und Konzertinstrument „par excellence“; doch war ihre Verwendung sehr vielseitig, da sie vermöge ihrer das Akkordspiel erleichternden Stimmung auch als Generalbaß- und Begleitinstrument im Orchester und in der Kammermusik benutzt wurde.¹) — Die Haltung der »Viola da gamba« beim Spiel entsprach im allgemeinen der des Violoncells; die abweichende Besaitung, das mehrstimmige Spiel und die in der älteren Musik üblichen zahlreichen Verzierungen („Agréments“) erforderten jedoch eine von der Behandlung des Violoncells gänzlich abweichende Applikatur und Technik. Verschieden von der heutigen Praxis war auch die Bogenhaltung und die bei allen Violen in schiebender Bewegung erfolgende Bogenführung. Der Bogen wurde — wie es heute nur, noch beim Contrabaß üblich ist, bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts aber auch beim Violoncell gebräuchlich war — in der Weise gehalten, „daß der Daumen in die Höhe stand und der mittelste große finger nebst dem Goldfinger in dem froche widerhielten, der Spitz-[Zeige-]finger aber sich oben überlegte und sich der Daumenspitze näherte“.²) (Joh. Samuel Petri, „Anleitung zur praktischen Musik“, Leipzig 1782.) one of two readings
4Das Bedürfnis, für die verhältnismäßig klangschwachen und unbequemen »Viole da braccio« einen besseren und im Klange der »Viola da gamba« näher kommenden Ersatz zu schaffen, führte bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Konstruktion kleinerer nach dem Typ der Gambe gebauter Instrumente, der Diskant- und Alt-Viole da gamba, so daß die Gamben in ihrer Blütezeit, dem 17. Jahrhundert, einen vollständigen Chor bildeten, der Instrumente von Diskant- bis zu Contrabaß-Größe umfaßte.
6Die »Alt-Viola da gamba« (ital.: »Contr’alto [Tenore] della viola da gamba«, franz.: »Taille de viole«; engl.: »Tenor-Viol«) stand eine Quinte oder eine Quarte höher als die eigentliche (Tenor-) Viola da gamba:
8¹) Vgl. Joh. Phil. Eisels „MUSICUS αὐτοδίδακτος“ (Erfurt 1738, S. 43): „Sie werden bey Concerten gebraucht, 1) zur Verstärkung des Basses. 2) Zur Concert-Stimme selbst. 3) Zum General-Bass; obgleich dessen Execution von vielen negirt werden wollen, weil es ihnen impracticable geschienen, so giebt es dennoch Virtuosen welche solches praestire… Es läßt sich auch ein Solo auf der Viola di Gamba vor trefflich hören.“
10²) Vgl. hierzu auch die Gemälde-Nachbildungen auf Seite 425 u. 431 des Katalogs.

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