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Scan 456
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
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1da gamba« zunächst im Orchester, dann aber auch in der Kammer- und Solomusik durch das Violoncell, das bis dahin nur eine wenig bedeutende Rolle als ein zur Verstärkung des Basses dienendes Begleitinstrument gespielt hatte, immer mehr vom Schauplatz verdrängt. Eine kleine, 1740 zu Amsterdam erschienene Streitschrift von Hubert le Blanc: „Défense de la basse de Viole contre les entreprises du violon et les prétentions du violoncel“ illustriert diese Rivalität in ergötzlicher Weise, und daß dieser Wettstreit in Frankreich bereits nach zwei Jahrzehnten durchaus zugunsten des Violoncells entschieden war, beweist ein 1761 herausgegebenes „Mémorial raisonné“ von Gascault, worin es heißt: „La basse de viole a été longtemps en grande réputation, mais le violoncelle l’a totalement anéanti“. Am längsten von allen Violen erhielt sich in Frankreich, wie bereits erwähnt, der kleine »Pardessus de viole«. In Deutschland verschwand die Gambe im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts endgültig aus der Praxis; so wird sie z. B. in der „Anweisung zur Composition“ von Joh. Georg Albrechtsberger (Leipzig 1790, S. 421) als „ein außer der Mode gekommenes Kammerinstrument“ bezeichnet, und es ist von Interesse, was Ernst Ludwig Gerber in seinem „Neuen Lexikon der Tonkünstler“ (1. Theil, Leipzig 1812, Sp. 6) bei der Biographie von K. F. Abel (s. ob.) hierüber sagt:
3„… die vor hundert Jahren so unentbehrliche Gambe, ohne welche weder Kirchen- noch Kammermusik besetzt werden konnte, die in allen öffentlichen und Privat-Konzerten das ausschließende Recht hatte, sich vom Anfange bis zum Ende, vor allen andern Instrumenten, hören zu lassen; weswegen sie denn auch nicht nur, gleich den Schachteln, satzweise, in allen Formaten, groß und klein, verfertigt werden mußten, sondern auch mit allem möglichen Aufwande, von angebrachtem künstlichen Schnitzwerke, Elfenbein, Schildpatt, Silber und Gold bestellt, gesucht und bezahlt wurden. Von diesem allgemein herrschenden und beliebten Instrumente wird nun in Zeit von einem Menschenalter in ganz Europa keine Idee mehr übrig seyn; sie müßte denn unter den alten Holzschnitten im Praetorius, oder als ein saitenloses, von Würmern zerfressenes Exemplar in einer der Hof-Musikkammern wieder hervorgesucht werden. Abermals ein trauriger Beweis, wie sehr sich Apollo von der Göttin Mode beherrschen läßt. — Merkwürdig ist noch dabeı der Geschmack unserer Vorfahren an diesem sanften, bescheidenen, sumsenden Violengetöne. Auch waren sie stille, zufriedene und friedliebende Leute….“
5Etwa erst seit dreißig Jahren ist die Gambe der unverdienten Vergessenheit, in die sie das ganze 19. Jahrhundert hindurch geraten war, wieder entrissen worden, und eine zwar noch kleine, aber allmählich anwachsende Schar von Violoncellisten ist bemüht, das ausdrucksvolle Instrument wieder zu neuem Leben zu erwecken. Es gehört zu den Verdiensten Paul de Wits in Leipzig, durch praktische Propaganda
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