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Scan 553
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
15 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 537. See the scan on archive.org.
1Bratschen.
2(Alt- und Tenorgeigen.)
4Die Bratsche oder Altgeige (ital. u. franz.: Alto; franz. auch: Quinte, Taille; engl.: Tenor) ist eine in den Dimensionen vergrößerte Violine, die in der Gruppe der Streichinstrumente die Altlage beherrscht und die Mitte zwischen dem Diskantinstrument Violine und dem Baßinstrument Violoncello inne hat. Ihre vier Saiten werden in
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8also eine Quinte tiefer als die der Violine gestimmt. — Der Name »Bratsche« ist eine durch den Sprachgebrauch verdorbene Fassung des italienischen Wortes »braccio« (Arm) und als Abkürzung aus der Benennung »Viola da braccio« entstanden, womit zunächst im Gegensatz zu der zwischen den Knien gehaltenen »Viola da gamba« eine im Arm gespielte Viole und gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch ein derartiges Violininstrument bezeichnet wurde; bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ging dann der Name auf die eigentliche Altviooline, die »Brazze«, über.1) — In Matthesons „Neu-eröffnetem Orchestre“ (Hamburg 1713) heißt es (S. 283):
10„Die füllende Viola, Violetta, Viola da Braccio oder Brazzo, ist von grösserer Structur und Proportion als die Violine, sonst aber eben der Natur / und wird nur eine Quinte tieffer gestimmet / nemlich a. d. g. c. Sie dienet zu Mittel-Partien allerhand Art / als: Viola prima (wie bey den Stimmen der hohe oder rechte Alt) Viola secunda, (wie der Tenor) &c. und ist eins der nothwendigsten Stücke in einem harmonieusen Concert; denn wo die Mittelstimmen fehlen / da wird die Harmonie abgehen / und wo sie übel besetzt sind / da wird alles übrige dissoniren. Es spielt auch wol ein Virtuose bisweilen ein Braccio solo, und werden vielmahl ganze Arien con Violette all’Unisono gesetzt / welche denn / wegen der Tiefe des Accompagnements recht frembd und artig klingen.“
12Ebensowenig wie über die Entstehung der Violine läßt sich über die Anfänge der Entwicklung der Bratsche etwas Authentisches sagen. Die Möglichkeit erscheint jedoch naheliegend, daß die ersten durch Umbildung der
141) Vgl. z. B. Daniel Speers „Unterricht der Musicalischen Kunst“, Ulm 1687, S. 84.
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