Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 554

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

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1»Lira da braccio« entstandenen Instrumente des Violintyps mehr der Bratsche als der Violine entsprochen hätten¹) und daß erst später — vielleicht durch den Brescianer Meister Gasparo Bertolotti (da Salò) — die endgültige Ausbildung der eigentlichen Violine erfolgt sei. (Vgl. Seite 508 des Katalogs.) Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die Bratsche in zwei verschiedenen Größen im Gebrauch, und zwar in einer größeren Form als Tenorgeige (ital.: Contr’alto, Tenore; franz: Taille) zur Ausführung der tieferen Partien²) und in einer kleineren Form als Altgeige (Alto; Haute-contre) für höher geschriebene Partien.³) Die frühen Meister des Violinbaues — wie Gasparo da Salò, die älteren Amati, Peregrino Zanetto etc.⁴) — bauten noch hauptsächlich nach dem großen Modell der Tenorgeige, das sich das ganze 17. Jahrhundert hindurch erhielt; auch in Praetorius’ „Sciagraphia“ (Taf. XXI, No. 5) ist unter den „Violn de bracio“ eine derartige „Tenor-Geig“ abgebildet, deren Korpuslänge 47¹/₂ cm bei einer Gesamtlänge von 74¹/₂ cm beträgt. (Vgl. hierzu die nur wenig kleineren Tenorgeigen des Museums No. 905—907.) Die Schwierigkeit der Behandlung dieser wegen ihrer großen Dimensionen ziemlich unbequem zu handhabenden Instrumente war der Grund, etwa seit Stradivari das noch heute bestehende kleine Bratschenmodell zu bevorzugen, wenn auch die Tenorgeige der späteren Bratsche an Schönheit und Fülle des Tons weit überlegen war. — Betreffs der noch größeren »Viola da spalla« und ihrer Abart, der Bach’schen »Viola pomposa«, siehe Seite 548 f. des Katalogs.
3Der verhältnismäßig schwache und leicht näselnde Klangcharakter der Bratsche, der zwar nicht ohne ausdrucksvollen Reiz ist, aber doch von dem hellen und markigen Violinton merkbar absticht, ist auf den großen Unterschied zurückzuführen, der zwischen den theoretisch erforderlichen und in der Praxis angewandten Maßen der Korpuslänge und -breite und der Zargenhöhe besteht. Da die Bratsche eine Quinte tiefer als die Violine gestimmt wird, beläuft sich ihr gegenseitiges Tonverhältnis wie 3 : 2 — eine Proportion, die eigentlich auch in ihren Dimensionen zum Ausdruck kommen müßte. Dies ist jedoch durchaus nicht der Fall: denn da die Violine eine Korpuslänge von durchschnittlich 36 und eine Saitenlänge von 33 cm besitzt, müßte
5¹) Vgl. Fußnote 2 auf Seite 398 des Katalogs.
6²) Die im Tenorschlüssel geschriebenen Partien der 2. Bratsche in den Bach’schen Kantaten „Weinen, Klagen“ (Gesamtausgabe No. 12) und „Gleich wie der Regen und Schnee“ (Gesamtausgabe No. 18) sind z. B. für die »Tenorgeige« gedacht.
7³) Vgl. hierzu die auf voriger Seite abgedruckte Erwähnung bei Mattheson.
8⁴) Verschiedene schöne Bratschen dieser Meister aus englischem Privatbesitz waren auf der „Music Loan-Exhibition“ 1904 zu London ausgestellt (s. Seite 158/59 des betreff. Katalogs).

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