Books › Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912 › scan 555
Scan 555
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
8 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 539. See the scan on archive.org.
1die Bratsche eine Korpuslänge von 54 und eine Mensur von 49 1/2 cm erhalten; in Wirklichkeit hat das Bratschenkorpus aber nur eine Länge von 39 cm, und ihre Saitenlänge beträgt nur 36 3/4 cm. Daraus ergibt sich — worauf schon Savart i. J. 1819 hinweist1) — ein arges Mißverhältnis bezüglich des im Korpus der Bratsche eingeschlossenen Luftvolumens, das tatsächlich viel zu gering ist, so daß Hector Berlioz völlig im Recht ist, wenn er in seinem „Traité d’instrumentation“ (Paris 1839) sagt: „Il faut dire, que la plupart des Altos dont on se sert aujourd’hui dans nos orchestres français n’ont pas la dimension voulue; ils n’ont ni la grandeur ni conséquemment la force de son des véritables Violes, ce sont presque des Violons montés avec les cordes d’Altos.“
3Die Verbesserungsversuche, die sich eine Reform der zu klein, d. h. physikalisch unrichtig gebauten Bratsche zur Aufgabe stellten, bedeuteten im Grunde nichts anderes als eine erneute Aufnahme der alten großen Tenorform, wobei jedoch wieder mit dem Ubelstand gerechnet werden mußte, der die Tenorgeige aus der Praxis verdrängt hatte: die Schwierigkeit und das Ermüdende ihrer Haltung, die eine Benutzung selbst Spielern von genügend großem Körperbau auf die Dauer unmöglich macht. Einen Ausgleich hierfür suchte der berühmte französische Geigenbauer J. B. Vuillaume in seinem 1855 erfundenen »Contr’alto« zu schaffen, bei dem unter Beibehaltung der Bratschenmensur eine Vergrößerung der Resonanz durch Verbreiterung der Ober- und Unterbacken und geringe Erhöhung der Zargen angestrebt war. (Siehe No. 915, Seite 546 des Katalogs.) Von Versuchen aus neuerer und neuester Zeit ist die von Hermann Ritter in Würzburg 1872—75 konstruierte und mit Aufbietung einer großen Propaganda in die Öffentlichkeit eingeführte »Viola alta«2) und die von Alfred Stelzner in Wiesbaden 1891 erfundene »Violotta« zu nennen, die eine Mittelstellung zwischen Bratsche und Violoncell einnimmt (s. No. 916 des Katalogs); doch haben diese neuen Instrumente trotz mancher Anerkennungen und Erfolge keinen dauernden Platz im Orchester der Gegenwart erringen können.
51) „Mémoire sur la construction des instrumens à chordes et à archet“ (vgl. Seite 524 des Katalogs). Die betreffende Stelle lautet in deutscher Uebersetzung: „Die Luftmasse einer Bratsche müßte einen um eine Quinte tieferen Ton ergeben als denjenigen, den man mittels Anblasens durch eine an die f-Löcher gehaltene metallene Windröhre erzielt. Ist dieser Ton bei der Violine z. B. c, so müßte er bei der Bratsche F sein; statt dessen gibt die Luftmasse fast aller Bratschen, die man jetzt verfertigt, den Ton c wie die Violinen. Daraus folgt, daß die tiefen Töne schwach, rauh und schwer hervorzubringen sind, und daß das Instrument nicht den vollen Klang besitzt, den es haben sollte. Ehemals baute man große Bratschen, die diesen Bedingungen viel näher kamen.“
72) Die erste »Viola alta« wurde i. J. 1875 nach Ritters Angaben von dem Geigenbauer Karl Adam Hörlein (geb. 1829, gest. 1902) in Würzburg gebaut. 1898 fügte Ritter ihrem Bezug noch eine fünfte Saite (e²) hinzu, so daß diese neue »Viola alta« den Tonumfang der Bratsche und Violine in sich vereinigt. Ihre Gesamtlänge beträgt 66, ihre Korpuslänge 48 cm; ihre Dimensionen sind also beträchtlich größer als die der gewöhnlichen Bratsche. — Nach dem Tode Hörleins übertrug H. Ritter den Bau und Vertrieb seiner „Streichinstrumente nach eigenen Intentionen“ der Firma Philipp Keller in Würzburg.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.