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Scan 564
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
8 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 548. See the scan on archive.org.
1Viole da spalla, Viole pompose.
3Mit »Viola da spalla« (Schulter-Viola) wurde ein zur Violinfamilie gehörendes Streichinstrument bezeichnet, das in Bauart und Größe zwischen »Tenorgeige« und »Violoncello piccolo« stand und als Armgeige gespielt, seiner großen Dimensionen wegen jedoch nicht am Kinn gehalten, sondern an die Schulter gelehnt wurde. Die »Viola da spalla« war im 17. und 18. Jahrhundert im Gebrauch, fand jedoch wegen ihrer unbequemen Handhabung nur geringe Verwendung in der Praxis. In Praetorius’ „Organographia“ ist das Instrument nicht beschrieben, wohl aber in Matthesons „Neu eröffnetem Orchestre“, wo es bei Erwähnung des Violoncells (S. 285) heißt: „… insonderheit hat die Viola di Spala, oder Schulter-Viole einen grossen Effect beym Accompanement, weil sie stark durchschneiden und die Töne rein exprimiren kan. Ein Bass kan nimmer distincter und deutlicher herausgebracht werden als auff diesem Instrument. Es wird mit einem Banne an der Brust befestiget und gleichsam auff die rechte Schulter geworffen / hat also nichts / daß seinen Resonanz im geringsten auffhält oder verhindert.“ Joh. Gottfried Walther druckt diesen Bericht in seinem „Musicalischen Lexicon“ (S. 637) wörtlich ab und fügt hinzu: „Die viersäitigten werden wie eine Viola, C. G. d. a. gestimmt, und gehen bis ins ā“. (Vgl. No. 917 des Katalogs.) Auch Joh. Philipp Eisel (1738) und Caspar Majer (1741) beschränken sich auf eine fast wortgetreue Wiederholung von Matthesons Angaben.
5Betreffs der »Fagottgeige« (»Viola di fagotto«), einer größeren Abart der »Viola da spalla«, die nach Majer (a. a. O., S. 100) ebenfalls „auf dem Arm gehalten, und wie eine Viola tractirt“, aber eine Oktave tiefer (d. h. wie das Violoncell) gestimmt wurde, siehe die Fußnote auf Seite 497 des Katalogs.
7Auch die von Johann Sebastian Bach um 1724 in Leipzig erfundene »Viola pomposa« war nichts anderes als eine etwas vergrößerte und mit fünf Saiten bezogene »Viola da spalla«, die Bach nach seinen Angaben von dem mit ihm eng befreundeten ausgezeichneten Leipziger Hofinstrument- und Lautenmacher Johann Christian Hoffmann (s. Seite 620) anfertigen
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