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Scan 566
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
8 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 550. See the scan on archive.org.
1vor, „welche ihm Pisendel mit der Viola pomposa begleitete“. In einer Fußnote (a. a. O., S. 45) ist die Beschreibung des Instruments aus Forkels Almanach mit dem Zusatz abgedruckt: „Der ehemalige Geigenmacher Hofmann hat deren verschiedene, auf Angaben Joh. Seb. Bachs, verfertigt.“
3Eine weitere Erwähnung der »Viola pomposa« findet sich in dem Joh. Seb. Bach gewidmeten Abschnitt des „Lexicons der Tonkünstler“ von Ernst Ludwig Gerber (1. Theil, Leipzig 1790, Sp. 90); die betreff. Stelle lautet: „Die steife Art womit zu seiner Zeit die Violonzells behandelt wurden, nötigten ihn, bey den lebhaften Bässen in seinen Werken, zu der Erfindung der von ihm sogenannten Viola pomposa, welche bey etwas mehr Länge und Höhe als eine Bratsche, zu der Tiefe und den vier Saiten des Violonzells noch eine Quinte, e, hatte, und an den Arm gesetzt wurde; dies bequeme Instrument setzte den Spieler in Stand, die vorhabenden hohen und geschwinden Passagien, leichter auszuführen.“ Diese Angaben weichen von Forkels und Hillers Bericht insofern ab, als letztere die »Viola pomposa« nur als Begleitinstrument der Violine bezeichnen, während Gerber, dessen biographische Nachrichten über Bach teilweise auf den Mitteilungen beruhen, die er seinem Vater, der 1724—27 in Leipzig Bachs Schüler war, verdankt, der »Viola pomposa« die Funktion des »Violoncello piccolo« zuschreibt (vgl. Seite 559 des Katalogs). Dasselbe tut H. Chr. Koch in seinem „Musikalischen Lexikon“ (Frankfurt a. M. 1802, Sp. 1691), dem offenbar die obige Stelle bei Gerber als Quelle diente. („Die noch sehr unvollkommene Spielart, mit welcher zu seiner Zeit das Violoncell behandelt wurde, und die lebhaften, oft ziemlich schweren Bässe seiner Tonstücke veranlaßten ihn zu der Einrichtung dieses Instrumentes…. Uebrigens wurde es ebenso traktirt, wie die Viole.1) Dieses Instrument ist seit geraumer Zeit, theils wegen der durch die Größe seines Körpers verursachten Unbequemlichkeit, theils auch wegen der vervollkommneten Spielart des Violoncells gänzlich wieder außer Gebrauch gekommen.“2)
51) Alle obenstehend zitierten Berichte bestätigen, daß die »Viola pomposa« als Armgeige und nicht — wie es P. de Wit in der „Zeitschrift für Instrumentenbau“ (Bd. XII und XXVII) und auch H. Riemann, E. van der Straeten u. a. annehmen — violoncellmäßig (d. h. zwischen den Knien) gespielt wurde. Versuche im Museum haben ergeben, daß trotz der beträchtlichen Zargenhöhe eine der Schulterviole entsprechende Handhabung des Instruments in der Praxis unschwer möglich ist.
72) Es heißt in Kochs Lexikon weiter: „Dagegen bedient man sich noch hin und wieder einer Viole in gewöhnlicher Form und Stimmung mit der hinzugefügten e Saite der Violine, die von einigen auch Violino pomposo genannt wird.“ Eine Komposition für »Violino pomposo« entdeckte der Verfasser des vorlieg. Katalogs in der Bibliothek der „Gesellschaft der Musikfreunde“ zu Wien; das betreff. Manuskript (No. 14454) ist betitelt: „Sonata a solo | Per La Pomposa | Col Basso | Del Sigre Cristian Giuseppe Lidarti | Di Vienna | Accademico Filarmonico | Di Bologna e Modena.“ Von der tiefsten Saite ist in dieser Sonate (Es-dur, 4/4) allerdings nur an einigen Stellen, die den Ton f erfordern, Gebrauch gemacht.
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