Books › Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912 › scan 567
Scan 567
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
17 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 551. See the scan on archive.org.
1Auffallend ist, daß in Bach'schen Partituren nicht ein einziges Mal die »Viola pomposa« vorgeschrieben ist; ob einzelne mit »Violoncello piccolo« bezeichnete obligate Partien in verschiedenen Kantaten auch für die »Viola pomposa« berechnet waren, ist nicht erwiesen, aber immerhin möglich.
3Allgemein ist die Annahme, daß die letzte der sechs Bach'schen Solosuiten für Violoncell (D-dur 12/8; Gesamtausgabe Bd. XXVII, S. 87 f.):
5[Musical notation]
7etc.
9die für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben ist,1) für die »Viola pomposa« bestimmt gewesen sei. Vgl. hierzu den Vorbericht von A. Doerffel, p. XXXVI des betreff. Bandes: „Ob Bach bei Composition desselben seine Absicht auf ein fünfsaitiges Violoncell — denn auch in dieser Form war damals dies Instrument vorhanden — oder auf die von ihm erfundene »Viola pomposa« gerichtet hatte, ist nicht bestimmt nachweisbar. Die Originalvorlage giebt keinen Anhaltspunkt für die eine oder die andere Annahme. Wahrscheinlich indeß ist, daß er die Suite zunächst für die »Viola pomposa«, von der der Lexicograph Gerber berichtet, komponiert hat.“ Auch Ph. Spitta teilt in seiner großen Bach-Biographie (1. Band, S. 679 u. 824) diesen Standpunkt, der uns jedoch irrtümlich scheint. Denn abgesehen davon, daß — wie es auch Doerffel erwähnt — fünfsaitige Violoncells, deren Bezug zur Erleichterung des Spiels in den höheren Lagen eine e¹-Saite aufwies (s. Seite 558 des Katalogs), in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch gebräuchlich waren, widerspricht die Entstehungszeit der Komposition der Ansicht, die sechste Suite mit der »Viola pomposa« in Verbindung zu bringen. Die Suiten sind nämlich — ebenso wie die sechs Partien und Sonaten für Violine allein und die Mehrzahl der übrigen Kammermusikwerke — unbedingt noch in Coethen (vor 1723), und zwar für den Violoncellisten und Gambisten Christian Ferdinand Abel (s. Seite 439) komponiert worden, während die Idee zur »Viola pomposa« erst in den Beginn der Leipziger Zeit fällt, nachdem Bach mit Joh. Christ. Hoffmann in persönlichen Verkehr getreten war; Gerber erwähnt im 2. Teil seines Lexicons (Leipzig 1792, Anhang S. 85) ausdrücklich, daß Joh. Seb. Bach die »Viola pomposa« zu Leipzig ums Jahr 1724 erfunden habe.2)
111) Die Ueberschrift des Autogramms lautet:
13Suite
146.) me a cinq (acordes)
162) Wenn Spitta trotzdem behauptet (a. a. O., 1. Bd., S. 678), die Erfindung des Instruments wäre noch in Coethen erfolgt, so geschieht dies anscheinend nur, um seine Ansicht betreffs der sechsten Suite und der »Viola pomposa« aufrecht erhalten zu können. An anderer Stelle (S. 824) muß er jedoch zugeben, daß äußere und innere Gründe durchaus gegen die Annahme sprechen, die Violoncell-Suiten erst in die Leipziger Zeit zu verlegen.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.