Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 573

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

11 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 557. See the scan on archive.org.

1Violoncells.
3Das Violoncell (ital.: Violoncello; franz.: Violoncelle) vertritt in der Familie der Violininstrumente die Bariton- und Baßstimme; es steht eine Oktave tiefer als die Bratsche, d. h. seine vier Saiten werden in
5gestimmt. Es wird ebenso wie die Gambe zwischen den Knien bzw. Oberschenkeln gehalten und in sitzender Stellung gespielt. — Der Name »Violoncello« bedeutet „kleine Baßgeige“, da das Wort eine Diminutivform der Bezeichnung des Contrabasses »Violone« ist, die ihrerseits wieder ein Augmentativum des Wortes »Viola« bildet.1) Die im Deutschen gebräuchliche abgekürzte Benennung »Cello« ist mithin sprachlich durchaus fehlerhaft, da dies Wort nichts anderes als eine unserem -chen oder -lein entsprechende Verkleinerungssilbe ist. Der tatsächliche Werdegang des Instruments ist jedoch ein anderer als sich aus der etymologischen Ableitung annehmen ließe: das Violoncell ist nicht durch Verkleinerung des violenartigen Contrabasses, sondern durch Uebertragung der Violinform auf ein in der Größe der »Viola da gamba« entsprechendes Baßinstrument entstanden. Dieser Entstehungsprozeß vollzog sich anscheinend bereits um die Mitte oder im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts; daß Andrea Amati z. B., der Stammvater der berühmten Familie und Begründer des Cremoneser Geigenbaues (geb. um 1535, gest. nach 1611), schon Violoncelli gebaut hat, wird durch zwei schöne noch erhaltene Instrumente bewiesen.2)
7Das von den älteren italienischen Meistern bevorzugte Patron war beträchtlich größer als das spätere Violoncellmodell, dessen endgültige Einführung (1700 — 1725) Antonio Stradivari zugeschrieben wird; der Unterschied in der Korpuslänge betrug 5 cm. Doch hat auch noch Stradivari
91) Die älteste Bezeichnung des Instruments war »Violoncino«, welches Wort ebenfalls eine Verkleinerungsform von »Violone« bildet; diese Benennung kommt in einem Druck v. J. 1641 und in einem 1660 erschienenen Werk von Domenicho Freschi vor. Dagegen lautet der Titel eines 1665 zu Venedig erschienenen Werkes von Giulio Cesare Arresti: „Sonate a 2. & a 3. Con la parte del Violoncello a beneplacido“. (Vgl. „Monatshefte für Musikgeschichte“, Jahrg. XVI, No. 3.)
102) Im Besitze von N. E. Simoutre-Paris und J. H. Bridges-London. (Vgl. v. Lütgendorff, a. a. O., 2. Aufl. S. 15.)

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