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Scan 574
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
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1eine Anzahl Violoncelli größeren Formats (sog. »Bassi« mit 80 anstatt 75 cm Korpuslänge) gebaut.1) Noch umfangreichere Dimensionen zeigt die „Baß-Geig de bracio“, deren Abbildung in Praetorius’ „Sciagraphia“ (Tafel XXI No. 6) enthalten ist; das Instrument läßt bei einer Gesamtlänge von 1,34 1/2 m eine Korpuslänge von 84 cm erkennen. Diese alte plumpe Baßgeigenform, die an Größe und Dimensionen der kleinsten Contrabaßgattung, dem sog. »Bassel« oder »Basset« (vgl. Seite 570), ziemlich entsprach, erhielt sich am längsten in Deutschland. Der Grund, weshalb diese unbequemen großen Violoncelltypen erst so spät aus der Praxis verschwanden, ist in der außerordentlichen Beliebtheit zu erblicken, die in der Rokokozeit noch die »Viola da gamba« als Soloinstrument besaß: bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts spielte das Violoncell — mit einziger Ausnahme von Italien — der Gambe gegenüber im allgemeinen nur die untergeordnete Rolle eines zur Verstärkung des Basses dienenden Begleitinstruments. (Vgl. Seite 439/40 des Katalogs.)
3Auf die Abhängigkeit von Contrabaß und »Viola da gamba« deutet auch der Bezug hin, der bei Violoncells zwischen vier und sechs Saiten schwankte (wie beim »Basset« kommen zuweilen auch nur drei Saiten vor; vgl. No. 922), während bei Violinen und Bratschen von Anfang an die Vierzahl nicht überschritten wurde. So sagt z. B. Mattheson in seinem „Neu-eröffneten Orchestre“ (Hamburg 1713, S. 285): „Der hervorragende Violoncello, die Bassa Viola und Viola di Spala [vgl. Seite 550 des Katalogs], sind kleine Bass-Geigen / in Vergleichung der größern / mit 5 auch wol 6. Saiten / worauf man mit leichterer Arbeit als auff den grossen Machinen [d. h. den Contrabässen] allerhand geschwinden Sachen/Variationes und Mannieren machen kan….“ Auch Joh. G. Walther (1732), Joh. Ph. Eisel (1738), Leop. Mozart (1756) u. a. erwähnen noch das vereinzelte Vorkommen von Violoncells mit fünf bzw. sechs Saiten; doch war schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts, wie es Praetorius’ „Syntagma“ beweist, der viersaitige Bezug in der normalen Stimmung (C, G, d, a) vorherrschend. Bei fünfsaitigen Violoncells wurde noch eine in der höheren Quarte (d1) oder Quinte (e1) gestimmte Saite hinzugefügt; bei sechssaitigem Bezug kam wahrscheinlich die Stimmung der »Viola da gamba« (D G c e a d1) zur Anwendung.
5Aus einer Erwähnung im „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“ von Joh. Joachim Quantz (Berlin 1752, S. 212) geht hervor, daß die Violoncells größeren Formats zur Begleitung, die kleiner gebauten Instrumente zum Solospie! dienten: „Wer auf dem Violoncell nicht nur accompagniret, sondern auch Solo spielt, thut sehr wohl, wenn er zwey besondere Instrumente hat; eines zum Solo, das andere zum Ripien spielen, bey großen Musiken. Das letztere muß größer, und mit dickern Seyten bezogen seyn, als das erstere. Wollte man mit einem kleinen und schwach bezogenen Instrumente beydes verrichten; so würde das Accompagnement in einer zahlreichen Musik
71) Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das ehemals dem Virtuosen François Servais in Brüssel gehörige Stradivari-Violoncello.
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