Books › Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912 › scan 575
Scan 575
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
14 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 559. See the scan on archive.org.
1gar keine Wirkung thun." — Eine bei dem damaligen Stand der Technik noch erforderliche Vereinfachung des Spiels in den höheren Lagen hatte die Einführung von noch kleineren und entsprechend kürzer mensurierten Instrumenten, »Violoncelli piccoli«, zur Folge (sog. „halbe Violoncells“), deren Verwendung z. B. auch Johann Sebastian Bach in verschiedenen seiner Kantaten1) vorschreibt.
3Die Ausbildung des Violoncells als Soloinstrument ging von Italien durch Künstler wie Domenico Gabrieli (Menghino del Violoncello; geb. um 1640 zu Bologna, gest. 1690 zu Modena), den Opernkomponisten Attilio Ariosti, der bereits als Virtuose auf der »Viola d’amore« erwähnt wurde (s. Seite 479 des Katalogs), Franciscello (um 1725 in Neapel) u. a. aus; der erste Meister des modernen virtuosen Violoncellspiels war Luigi Boccherini (geb. 1743 zu Lucca, gest. 1805 zu Madrid), der bekanntlich auch als Komponist Hervorragendes leistete. Begründer der hohen Schule der französischen Violoncellkunst ist Martin Berteau (Berteaud, Bertault; geb. zu Valenciennes, gest. 1756 zu Paris), dem die Einführung des vielleicht von der »Tromba marina« entlehnten sog. Daumenaufsatzes zugeschrieben wird. (Vgl. Seite 319.) Die von Johann Sebastian Bach etwa 1720 in Cöthen komponierten sechs Suiten für Solo-Violoncell (s. Seite 551) bestätigen, daß auch in Deutschland um diese Zeit die Pflege des Solospiels in Aufnahme kam. —
5Die Vorzüge, die das Violoncell vor der »Viola da gamba« besitzt, bestehen in einer durch die verschiedene Bauart bedingten kräftigeren Sono- rität des Tones und einer unbeschränkten Freiheit der durch keine Bünde auf dem Griffbrett eingeengten Fingertechnik, während die Gambe vor dem Violoncell außer seiner reizvollen Chanterelle-Saite den Vorteil größerer Leichtigkeit im mehrstimmigen Spiel voraus hatte. Die zwischen beiden Instrumenten herrschende Rivalität1) bewirkte, daß das Violoncell erst verhältnismäßig spät in den großen Orchestern Aufnahme fand. Zuerst gelangte es in der Wiener Hofkapelle (i. J. 1680) und im Pariser Opernorchester (i. J. 1687) zur Einführung; 1709 folgte die Hofkapelle zu Dresden mit der Anstellung von vier Violoncellisten usw.
7*
9„Im Ganzen ist der Bau eines Violoncells (nach dem von Stradivari eingeführten Normalmodell) dem einer guten Violine ganz gleich, nur würden die verschiedenen Dimensionen der einzelnen Teile um zwei Dritteile größer
111) Arien mit obligatem »Violoncello piccolo« enthalten die Kantaten „Bleib’ bei uns“ (No. 6 der Gesamtausgabe), „Jesu, nun sei gepreiset“ (No. 41), „Also hat Gott die Welt geliebet“ (No. 68; in der bekannten Sopranarie „Mein gläubiges Herze frohlocke“), „Ich bin ein guter Hirt“ (No. 85) u. a.
131) Vgl. hierzu die bereits auf Seite 440 erwähnte Schrift „Défense de la basse de Viole“ von Hubert le Blanc (Amsterdam 1740).
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.