Books › Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907 › scan 20
Scan 20
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
4 lines. Read by computer on 28 September 2026. No printed page number was found. See the scan on archive.org.
1geschnitzte Köpfe an Stelle der Schnecke sind nicht selten. Die ff-Löcher weit offen, gestreckt und manchmal fast parallelstehend. Deckenholz meist von großer Regelmäßigkeit der Jahre, Boden vielfach nach der Schwarte geschnitten (Ahorn ohne Flammen). Lack meist reiches Braun verschiedener Nüancen. Der Ton ist bei den hervorragenderen Arbeiten groß und ernst, zumal auf den tiefen Saiten, bei den minderwertigeren Instrumenten aber wenig glanzvoll, wenn nicht gar violenähnlich und dumpf. — Bässe und Violen kommen weit häufiger vor als Violinen oder gar Violoncelli. (Siehe Abbildungen und bezüglich der Form der ff-Löcher und des Lacks die vergleichenden Zusammenstellungen auf Seite 23 und 25.)
3Die Cremoneser Schule umfaßt den längsten Zeitraum und machte infolgedessen die meisten Wandlungen durch. Ihre Erzeugnisse aber kommen, selbst wenn sie der frühesten Periode angehören, dem uns geläufigen Bilde der Streichinstrumente weit näher, als jene der ältesten Brescianer Meister. Ein Vergleich zwischen den Arbeiten des Gaspar da Salò und denen des Andrea Amati bestätigt dies. Beide Meister gehören dem XVI. Jahrhundert an, und dennoch, welch ein Unterschied! Bei Gaspar da Salò der Einfluß des alten Violentyps, das Ausklingen mittelalterlicher Kunst, bei Andrea Amati die Morgenröte einer neuen. — Dann die Arbeiten der beiden Söhne des Andrea, die bereits vorbildlich für die spätere Richtung geblieben sind, denn die Kunst des größten der Meister, die den Namen Amati trugen, die des Nicola Amati, ist nur ein weiterer Ausbau, eine Vervollkommnung dessen, was die Brüder Antonius und Hieronymus schufen. Die Vollendung des Amatityps in originellster Ausgestaltung stellt dann Stradivari fest. Er ist der Meister, dessen Werke unserer heutigen Kunst stets noch als unerreichtes Vorbild gelten. — Eine besondere Richtung schuf sein Zeitgenosse Giuseppe Guarneri, gen. del Gesù. Er ist der einzige der großen Cremoneser Meister, dessen Arbeiten einige Verwandtschaft mit der ihnen sonst so fernstehenden Brescianer Schule zeigen. (Näheres darüber unter Guarneri del Gesù und bei der Vergleichung der ff-Löcherformen.) Was nach diesem Höhepunkt der Kunst folgt, ist, wenn auch zuweilen noch höchst rühmenswert, doch im ganzen Epigonenarbeit — der Verfall der Kunst setzt ein, und ihre eigentliche Blüte erlischt mit Storioni.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.