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Scan 22
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
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1Von den Instrumenten der Brescianer Schule unterscheiden sich die der Cremoneser hauptsächlich durch folgende Merkmale: Gefälligere Form, vollendetere Arbeit. Die Ecken treten viel stärker hervor, geschwungenere Zeichnung der Bügel, und — falls starke Wölbung vorhanden, wie teilweise bei den Erzeugnissen der Amati und deren Nachahmern — stärkere Hohlkehle, also plötzlicher aufsteigende Wölbung. In der späteren Zeit (Stradivari und Guarneri del Gesù) flache Bauart. Schnecke zierlicher geschnitten, die ff-Löcher in runderer Zeichnung und kürzer, die oberen Punkte wesentlich kleiner, als die unteren. Für die Böden wurde nur selten — hauptsächlich in der frühesten Zeit und zumal bei den Violoncelli — kein Ahorn oder nach der Schwarte geschnittener Ahorn verwendet. Fast durchweg sind die Böden nach dem Spiegel geschnitten und die Zeichnung der Flammen kommt zur Geltung. Lack verschiedenster Färbungen, vom bernsteingelb bis zum rosa oder rot. Die Brescianer Geigen — um einen Vergleich mit der menschlichen Stimme zu machen — haben mehr Altcharakter, die der Cremoneser mehr die Klangfarbe des Soprans. (Siehe auch Abbildung und das bei der Vergleichung der ff-Löcher und über den Lack auf Seite 23 und 25 Gesagte.)
3Die Instrumente, welche der Schule von Mailand und Neapel zugezählt werden, haben unter sich in manchen Punkten Ähnlichkeit. Von den Cremoneser Erzeugnissen, deren Einfluß sie am stärksten zeigen, — die Begründer der Mailänder und Neapolitaner Schule waren zum Teil Schüler von Cremoneser Meistern — unterscheiden sich die Instrumente dieser Schule schon durch ihren Lack, der von dem der Brescianer und Cremoneser in der Zusammensetzung wesentlich verschieden ist. (Näheres darüber später.) Auch die Wahl des Holzes steht nicht völlig auf der gleichen Höhe wie bei den Cremonesern, wenn auch manche Arbeiten — u. a. der Gagliano in Neapel — eine rühmliche Ausnahme machen. Von den ältesten Erzeugnissen der Mailänder abgesehen, herrscht flache Bauart vor. Meister allerersten Ranges hat diese Schule nicht aufzuweisen, so manches Gute auch aus ihr hervorgegangen ist. — Bei den Mailändern tritt späterhin stark der Einfluß des Guarneri del Gesù hervor; die Neapolitaner, deren Haupt ein Schüler Stradivaris war, stehen mehr unter seinem Zeichen.
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