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Scan 29
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
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1der Hand eines ersten Meisters hervorgegangen ist, denn in der Vollendung technischer Dinge stehen die großen italienischen Künstler alle auf sehr hoher Stufe.
3Auch die Form der Schnecke ist charakteristisch für die einzelnen Meister. Primitive, mehr oder minder schwerfällige Ausführung finden wir bei den Erzeugnissen der Brescianer. Oft hat die Schnecke doppelte Windungen; auch Schnitzereien, wie Menschen- und Tierköpfe, sind in der frühen Zeit beliebt, zumal bei den Brescianer Meistern, was hier wohl auf deutschen Einfluß zurückzuführen ist, denn die älteren deutschen Geigenbauer — auch Stainer — hatten eine Vorliebe für diese Art von Skulptur. — Die Schnecke bei den Instrumenten der Amati ist zierlicher, bei Stradivari kraftvoll gestochen. Vollendung in der Zeichnung und Ausführung ist auch bei Stainer zu finden, der hier wiederum genannt sei, seines Einflusses wegen, den er auch auf manche italienische Meister ausübte. (Näheres bei den Beschreibungen einzelner Arbeiten.)
5Eine Hauptrolle bei der Einteilung und Bewertung der Streichinstrumente spielt bekanntlich deren Lack. Durch diesen lassen sich auch am verlässlichsten die aus der klassischen Zeit des italienischen Geigenbaus stammenden Arbeiten von anderen unterscheiden, denn gerade der Lack der alten italienischen Meister ist es, der immer wieder nachgeahmt, dessen Schönheit und Güte aber nie wieder erreicht wurden. Wir bewundern diesen Lack schon bei den älteren Erzeugnissen der Brescianer und Cremoneser Schule. Etwa zwei Jahrhunderte hindurch findet er dann ausgebreitete Verwendung, um fast plötzlich, bald nach der höchsten Blüte der Geigenbaukunst unter Stradivari und Guarneri del Gesù, also in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, zu verschwinden. Schon der von den direkten Schülern Stradivaris verwendete Lack steht nicht mehr völlig auf der Höhe desjenigen ihres Lehrmeisters. Dann tritt der gänzliche Verfall der Lackierungskunst rasch ein. An Stelle des bisherigen Lacks, dessen Feuer und Durchsichtigkeit heute noch entzücken, dessen Weichheit und Schmiegsamkeit den tonlichen Qualitäten der Instrumente von höchstem Nutzen ist, tritt ein Firniß, dessen Hauptbestandteil harter Schellack ist. In Spiritus gelöst, läßt sich dieses Harz zwar leicht färben und es trocknet schnell, doch umkleidet es das Instrument mit einer harten Schicht, die weder die Schwingungen des Resonanzkörpers und mithin den Ton zu voller Entfaltung,
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