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Scan 30
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
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1noch die Schönheit der Zeichnung des Holzes ganz zur Geltung kommen läßt. Bald zwar erkannte man die Unzulänglichkeit des neuen Lacks, doch das alte Bewährte wieder einzuführen gelang nicht mehr. Ein Geheimnis kann die Zubereitung des einst benutzten Lacks nicht gewesen sein, denn zwei Jahrhunderte lang kam er zu ausgedehntester Verwendung, und zwar nicht nur in Cremona und Brescia, sondern — mit geringen Veränderungen allerdings — auch in anderen Städten. Es ist sonderbar, daß keine Überlieferung erhalten geblieben ist, zumal doch in manchen Geigenbauerfamilien (Guadagnini, Gagliano u. a.) durch Generationen hindurch die Kunst vom Vater auf die Söhne sich vererbte. Wir stehen hier vor einem Rätsel!
3Man hat verschiedentlich die Vermutung ausgesprochen, der Cremoneser und Brescianer Lack sei einst im großen hergestellt worden; die Geigenbauer hätten ihn aus derselben Quelle bezogen und ihn nur nach Gefallen gefärbt. Als dann der Spirituslack, als ein vermeintlicher Fortschritt, allgemein Eingang gefunden, sei der Vertrieb des alten Lackes aufgegeben worden und die Art der Herstellung in Vergessenheit geraten. Die Wahrscheinlichkeit dieser Vermutung wird noch dadurch vermehrt, daß wir dem Geigenlack ähnliche aber farblose Firnisse auch auf Holzbildhauereien und anderen Arbeiten des XVI. und XVII. Jahrhunderts vielfach finden. — Andererseits wird auch behauptet, ein Harz sei einst allgemein im Gebrauch gewesen, das wir heute nicht mehr besitzen.
5Chemische Analysen alter Lacke haben zu keinem Ergebnis geführt. Nicht einmal über das Lösemittel — ob fettes Öl, Spiritus oder ätherische Öle Verwendung fanden — haben sie Aufschluß geben können. Und das ist auch ganz begreiflich, bedenkt man, daß die zur Untersuchung gelangten alten Lackschichten, die im Laufe der Jahrhunderte sich infolge der Berührung mit der Luft chemisch völlig verändert haben, heute etwas ganz anderes sind, als die Firnisse, mit denen einst die alten Meister ihre Instrumente überzogen. Dann ist auch zu berücksichtigen, daß wohl die Lösung der Harze unter Anwendung von Hitze geschah. Beim Kochen oder Schmelzen aber ist der Hitzegrad oft geradezu ausschlaggebend für den Erfolg. Ferner ist die Reihenfolge der Mischungen der einzelnen Harze und die Art ihrer Lösung nicht gleichgültig. Es ist nicht dasselbe, ob ich a in b löse
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