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Scan 35
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
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1Gagliano, der Schüler Stradivaris war. Einen Abglanz der hohen Meisterschaft seines Lehrers zeigen Alessandros Arbeiten. Auch der von ihm verwendete Lack besitzt vorzügliche Eigenschaften, doch kommt er dem Cremoneser nicht völlig gleich. Mehr noch tritt der Unterschied bei den Söhnen und Enkeln des Alessandro hervor, obgleich auch diese manches Werk hinterließen, dessen Lack Gefallen zu erregen vermag. — Die Zusammensetzung des Neapolitaner Lacks muß eine andere gewesen sein als die des Cremoneser und Brescianer; er ist weniger biegsam und fühlt sich nicht so zart an; er weist meist gelbliche oder bräunliche Farbtöne auf, selten nur geht er ins Kirschrote über, wie beispielsweise bei manchen Instrumenten des Januarius Gagliano. — In Mailand kamen ähnliche Lacke zur Verwendung. Die gelben und bräunlichen Farben herrschen auch bei den Instrumenten der Grancino und Testore vor; gefälligere rötliche Nüancen liebt C. F. Landolfi. Im ganzen genommen steht der Lack dieser Schule — trotz der Schönheit einzelner Instrumente — nicht auf der Höhe des Cremoneser und Brescianer, denn er ist trockener und spröder.
3Florenz, Rom und Bologna. Ähnliches läßt sich auch von den Erzeugnissen dieser Schule sagen. Die Florentiner verwendeten fast ausschließlich gelblichen oder bräunlichen, meist dünn aufgetragenen Lack. Reines Gelb finden wir beispielsweise bei Giambattista Gabrielli, der etwas stärkere Auftragung bevorzugt. Der Lack hat einige Ähnlichkeit mit neueren Spirituslacken. Er fühlt sich nicht sehr zart an, öfters sogar glasig. Er ist durchsichtig, aber dem Auge wenig wohlgefällig. — Die römischen Instrumente, die Techlers, Giglis und anderer, haben ähnlichen Lack, nur ist er etwas weicher. Auch hier herrschen — eine Ausnahme machen beispielsweise manche rötliche Violoncelli Techlers — gelbliche und bräunliche Färbungen vor. — Es ist bereits früher bemerkt worden, daß die Bologneser dem Einfluß Cremonas — in der ersten Zeit auch dem Brescias — näher standen, als die Florentiner und römischen Meister. Das gilt auch für den in Bologna verwendeten Lack. Im allgemeinen kann man aber sagen, daß der Lack von Bologna, Rom, Florenz, Neapel und Mailand mancherlei Ähnlichkeit zeigt, und daß er von wesentlich anderer Beschaffenheit ist, als derjenige aus Brescia und Cremona.
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