Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 36

Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907

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1Venedig. Eigenartig und einer der schönsten ist der Venezianische Lack. Er ist von größter Durchsichtigkeit und läßt die feinste Zeichnung des Holzes hervortreten. Warme rötliche Töne sind ihm meist eigen und seine Klarheit und Leuchtkraft wird von keinem anderen Lack übertroffen. In der Zusammensetzung der Grundbestandteile weist er große Ähnlichkeit mit dem Cremoneser und Brescianer Lack auf. Die Verfechter der Ansicht, daß die besten Lacke gemeinsamer Herkunft seien, glauben daher, daß die venezianischen Geigenbauer — in der früheren Zeit wenigstens — ihren Lack aus derselben Quelle bezogen, wie die Cremoneser und Brescianer Meister. Späterhin wird der Venezianische Lack etwas trockener, doch die farbensatte Tönung und die Durchsichtigkeit bleiben. All diese Herrlichkeit dauert auch hier nur bis wenig nach 1760, um dann, gleich dem Cremoneser und Brescianer Lack, in einem geheimnisvollen Dunkel zu verschwinden, das völlig zu erhellen bisher keinem geglückt ist.
3Für die Bewertung eines Instruments ist es nötig, dessen Zustand der Erhaltung genau zu kennen. Eine Besichtigung des Innern mit Hilfe eines kleinen Spiegels gibt nur geringe Auskunft; sie zeigt uns sogar kaum die so ausschlaggebende Fütterung der Decke, beschränkt diese sich nicht auf sog. Stimmfutter und dehnt sie sich über größere Flächen aus, zumal wenn die Reparatur unter Verwendung alten Holzes geschickt ausgeführt wurde. Ein Blick durch die Öffnung am Saitenhalter läßt mehr erkennen, doch ist er ohne Verückung des Steges — oft wird auch der Stimmstock in Mitleidenschaft gezogen — nicht möglich. Auf das Wort eines vertrauenswürdigen Verkäufers wird man sich meistens verlassen müssen, will man das Instrument erwerben, zumal dieser in vielen Fällen in der Lage ist, das Verkaufsobjekt genau zu kennen, weil er es bei der Reparatur in offenem Zustand gesehen hat. Auch die Ausmessung der Schallpunkte mit einem zangenartigen Tastzirkel, dessen Schenkel die Maße zeigen, ist geboten. Dabei sei bemerkt, daß Instrumente, deren Schallpunkte durch „Ausschachtelung“ wesentlich schwächer gemacht wurden, stark entwertet sind. Der Boden kommt dabei ebensogut in Frage wie die Decke, denn ein Instrument mit zu schwachem Boden wird niemals imstande sein, einen gesunden ausgiebigen Ton zu erzeugen, auch wenn die Decke unversehrt ist. Im allgemeinen möge

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