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Scan 37
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
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1es als Regel gelten, daß alte Violinen, die auf der Brust im inneren Schallkreise (in der Gegend des Steges) unter 3 mm, im mittleren Teile des Bodens unter 4 mm messen, als schwach im Holz anzusehen sind. Für Violoncelli können als Norm 5 bis 6 mm gelten. Hochgebaute Instrumente sind meistens in den Backen schwächer als die flachen. Risse, zumal wenn sie über oder unter dem Stimmstock liegen, sowie alle Veränderungen des Originalzustandes der Instrumente, seien es Ergänzungen einzelner Teile oder Überlackierungen, setzen den Wert bedeutend herab. Spärlich erhaltener aber ursprünglicher Lack ist das Schlimmste noch nicht und jeder Hinzufügung neuen Lackes — auch dem Überziehen mit farblosen Lack — vorzuziehen. Besonders der Sammler, der nun einmal bei der Bewertung der Instrumente mindestens ebenso stark in Frage kommt, wie der ausübende Käufer, wird für gut erhaltene Exemplare lieber den doppelten Preis anlegen, als für defekte, seien diese auch tonlich noch so gut. Dies gilt ganz besonders für England, den Haupthandelsplatz für alte italienische Instrumente. Dort erzielen erstklassige Objekte durchschnittlich höhere Preise als in Deutschland; mittelwertige oder bezüglich der Erhaltung nicht einwandfreie sind billiger als bei uns. Diese Tendenz, die so selten in ursprünglichem Zustande auf uns gekommenen Meisterwerke hoch zu bewerten, ist nur eine gesunde, denn geringe alte Instrumente im Preise hinaufzuschrauben, nur weil sie alt sind, ist ein Unding. Solche Instrumente haben ihrer minderwertigen Arbeit und ihrer Schäden wegen weder Wert für Sammler noch für Ausübende. Wer nicht das wirklich gute Alte kaufen will oder kann, tut besser, ein gutgebautes neues Instrument zu erwerben, das nicht seiner Defekte wegen immer mehr zurückgehen muß, sondern durch den Gebrauch gewinnt!
3Zum Schlusse sei noch vom „Zettel“ die Rede. Ihm gilt meist der erste Blick des mit den Fälscherkünsten wenig Vertrauten, denn der Zettel soll ja über die Herkunft des Instruments Aufschluß geben. Da verhält es sich leider nur allzuoft wie mit der bereits erwähnten Etikette beim Weine, von der einmal ein alter Kenner den Ausspruch tat: „Man kann nie wissen, was in einer verschlossenen Flasche ist; liest man aber die Etikette, so weiß man wenigstens, was nicht darin ist“. Ja, der Zettel, das Signum des Erbauers, ist mit der Zeit immer mehr ein Mittel geworden, gering-
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