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Scan 340
Von der Violine, 1906
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1Obschon man nicht wohl sagen kann, dass Corelli die Violin-Sonate*) erfand, so ist es doch sein unvergängliches Verdienst, derselben ihren allgemeinen Umriss und Charakter gegeben zu haben. Und dies erreichte er, indem er mit dem richtigen Instinkte des Genies die bestgeeigneten, ihm zugänglichen Elemente sich aneignete und sie zu einem logisch geordneten Ganzen zusammenfügte. Das Ausarbeiten des Details der Sätze, das Erweitern und Individualisieren derselben war seinen Nachfolgern überlassen.
3Corellis musikalische Sprache, ob in den traditionellen Tanz-Rhythmen der Sonata da Camera oder den Adagios und Allegros der Sonata da chiesa, ist durchaus der Natur des Instrumentes angepasst; sie ist edel, würdig und von seltenem Wohlklange. Manche seiner langsamten Sätze erheben sich zu beinah olympischer Grösse, andere sind von einer reizenden Einfachheit und Anmut, während die Allegros sich immer durch klaren, plastischen Bau auszeichnen, auch wenn den Passagen oder vielmehr Figurationen noch etwas etudenhaftes anhängt. Sie erscheinen wie eine Konzession, welche der in
5Ciacona von Tommaso Vitali. Dieselbe besteht aus einem kurzen charakteristischen Thema und einer Anzahl höchst ingeniöser, rhythmisch abwechslungsreicher und fein miteinander kontrastierender Variationen. Sie muss in der Tat als eine würdige Vorläuferin der berühmten wunderbaren Ciacona gelten, welche den Schluss von Bachs 4. Sonate für Solo-Violine bildet.
7*) Giovanni Battista Vitali (1644—92) wird gewöhnlich als der erste Meister betrachtet, der die Sonata da Camera unter dem Titel „Balletti, Balli, Corrente usw. da Camera“ pflegte.
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