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Scan 362
Von der Violine, 1906
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1KAPITEL VII
2DIDAKTISCHE VIOLINLITERATUR
4Wir verlassen nun das Violinkonzert in seiner letzten Glorie, um noch einmal ins 18. Jahrhundert zurückzutreten und andere, bescheidenere Fäden aufzunehmen. Durch Geminiani (1740) und Leopold Mozart (1756) erhielt die Geigerwelt, wie wir gesehen haben, die ersten systematisch geordneten Violinschulen; die eine auf Corellis Lehre, die andere auf den Traditionen der frühen Mannheimer Schule fussend.
6Das Studienmaterial in beiden war jedoch gering, ganz ungenügend in der Tat für eine richtige technische Ausbildung des Schülers, welche letzterer um so dringender benötigte, je mehr der allgemeine Stand der Violintechnik sich hob und die Schwierigkeiten in den Violinkompositionen zunahmen.
8So finden wir denn das bis dahin brach gelegene Feld der didaktischen Violinliteratur, die Etude ohne Begleitung, die Finger-, Bogen- und Phrasierungsstudie, kultiviert. Vielleicht ist dies der von Geigern am allgemeinsten und am glücklichsten gepflegte Zweig der Violinkomposition gewesen. Ohne durch Rück sichtnahme auf eine Begleitung oder auf eine unnachgiebige, strengere Form — in der nur die Talentierteren und besser Geschulten sich wohl und zu Hause fühlen konnten — beengt zu sein, vermochte der Komponist von Etuden seiner Vorliebe, seinem Stile und seiner technischen Eigenart nachzuhängen. Das Resultat war jener Reichtum an Studien, Etuden, Capricen etc. jeden Stiles und Genres, jeden Grades
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