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Scan 367
Von der Violine, 1906
7 lines. Read by computer on 3 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. No printed page number was found. See the scan on archive.org.
1auf dem Klavier gegeben haben — die Form des Charakter- und Phantasiestücks meine ich — auch der Natur der Geige ganz besonders zuzagen, aber leider — nichts beweist die klägliche, heutzutage auf dem Gebiete der Violinkomposition herrschende Sterilität klarer und peinlicher, als die qualitative (nicht quantitative) Ausbeute in kleinen Violinstücken. Was bekommen wir? Ist es nicht das Charakterstück ohne Charakter, das Phantasiestück ohne Phantasie? Musikalischer Aufwasch zumeist, der pädagogischen Zwecken oder der Anregung geschäftsbetachter Verleger entsprungen sein mag, aber nichts, das mit dem heiligen Ruf der Musen zu tun hat. one of two readings
2auf dem Klavier gegeben haben — die Form des Charakter- und Phantasiestücks meine ich — auch der Natur der Geige ganz besonders zugesagen, aber leider — nichts beweist die klägliche, heutzutage auf dem Gebiete der Violinkomposition herrschende Sterilität klarer und peinlicher, als die qualitative (nicht quantitative) Ausbeute in kleinen Violinstücken. Was bekommen wir? Ist es nicht das Charakterstück ohne Charakter, das Phantasiestück ohne Phantasie? Musikalischer Aufwasch zumeist, der pädagogischen Zwecken oder der Anregung geschäftsbetachter Verleger entsprungen sein mag, aber nichts, das mit dem heiligen Ruf der Musen zu tun hat. one of two readings
4Das klingt hart. Aber schauen wir uns z. B. die Programme unserer Violinkünstler an. Haben die letzteren nicht — allgemein gesprochen — während der letzten zwanzig oder mehr Jahre dieselben alten effektvollen Stücke heruntergegeigt, gerade wie die Konzerte von Beethoven, Mendelssohn und Bruch vielleicht mit einer gelegentlichen Anleihe bei einem alten italienischen Meister? Die Kompositionen von Paganini, Ernst, Vieuxtemps und Wieniawski tun noch immer ihre Dienste; und selbst deren Airs Variés werden (vom Rezentsenten mit einem Stossseufzer) gelitten, weil nichts anderes ihre Stelle auszufüllen vermag.
6Was ist die Ursache dieser Unfruchtbarkeit? Ist das Talent für die Komposition unter den Geigern ausgestorben? Ist der Teufelshuf, jene Erbschaft Paganinis Schuld daran? Meiden die edlen Musen ein Geigergeschlecht, das zufrieden ist, das enorme Gewicht heutiger Technik ohne Murren zu schultern? Ist auf
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