Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 515

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

35 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 511. See the scan on archive.org.

1Thibouville-Lamy, Louis-Emile-Jérôme. — Mirecourt und Paris (Grennelle und La Couture). Geb. in Mouettes 1. Februar 1833
2Besitzer einer der ältesten (gegr. 1790) und jetzt wohl der bedeutendsten Musikinstrumentenfabrik Mirecourts, die alle Sorten Instrumente, selbst Drehorgeln, Automaten und Saiten, herstellt, darunter jährlich an 30—40 000 Geigen nach allen gangbaren Modellen. Die Fabrik, die früher die Firma Thibouville & Co. usw. führte, beschäftigt 600 Arbeiter und besitzt von allen großen Ausstellungen seit 1862 Medaillen. J. Thibouville-Lamys Teilhaber ist Alfred Acoulon, ferner Blondelet. Die Geigen zeigen eine Brandmarke: T. & L. Geigenzettel: Abb. 770.
4Thielemann (Thielmann), J. G. — Berlin. 1800. † März 1821
5Er soll außer Gitarren und Lauten auch Tasteninstrumente gemacht haben. Sein Nachfolger war J. A. Mathes. Eine hübsche Lyragitarre von ihm war auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 zu sehen. Gitarren von ihm befinden sich in der Sammlung Fritz Wildhagen in Halensee, in W. Heyers Musikhistorischem Museum in Köln und in anderen Museen.
6Geigenzettel: J. G. Thielemann, / Academischer Künstler / zu Berlin / 1813 (gedruckt).
8Thier s. Thir
10Thierriot, Prudent. — Paris. 1772. 1775
11Er wohnte Rue Dauphine, war geschworener Meister der Lautenmacherzunft für 1772 und ein ausgezeichneter Holzblasinstrumentenmacher; seine Arbeiten bezeichnete er kurzweg nur mit seinem Vornamen Prudent. Sein Sohn setzte das Geschäft bis 1830 fort. In einem amerikanischen Händlerverzeichnis werden allerlei Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1772 ausgeboten. Es liegt aller Wahrscheinlichkeit ein Mißbrauch des Namens vor.
13Thiery
14In einem Kindervioloncello von echtem Mirecourter Aussehen (19. Jahrhundert) findet sich der Zettel: »Thiery à Paris«.
16Thiphanon s. Tiphanon
18Thir (Thier, Thirr), Andreas. — Preßburg. Geb. in Preßburg am 11. August 1765, † nach 1798
19Sein Vater war Anton Th., seine Mutter Barbara geb. Denn. Der Beruf des Vaters ist in der lateinischen Taufmatrikel abgekürzt angegeben, es steht bloß: »Lau«, was sicher mit Lautarius zu ergänzen ist1). Schon mit 21 Jahren heiratete Andreas Thir die fast gleichalterige Apollonia Michaeli. Die Matrikel enthält hierüber folgenden Eintrag: »Sponsus: Coelebs Andreas Thier, Civis, Instrumentorum musicorum Con-
211) Im Taufschein seines jüngeren Sohnes Anton II wird er dagegen ausdrücklich als »fidifex« bezeichnet.
23fector, Sponsa: Apollonia Michaelia annorum 21«. Er schrieb seinen Namen mit schwankender Orthographie, meist aber Thirr. Das Bürgerrecht erwarb er am 30. Dezember 1785. Er war ein sehr talentvoller Meister, der vielleicht bei Joh. G. Leeb gelernt hat, er war jedenfalls einer der besten Geigenmacher Ungarns seiner Zeit. Er arbeitete nach demselben Amatimodell wie Leeb und nahm die gleiche flache Wölbung, nur machte er die Ecken nicht so übertrieben klein. Die F-Löcher sind sehr elegant geschnitten, und die Schnecke, wenn auch noch an die Preßburger Schule erinnernd, ist doch besser als bei Leeb. Geigen, die noch den Originallack zeigen, sind von besonderer Schönheit und jetzt sehr schwer zu haben. Eine hübsche Amatikopie von ihm aus dem Jahre 1798 besitzt Gymnasialprofessor Winkler in Wien. Im Mathias-Dom in Ofen (Budapest) befinden sich Violoncelli, Violen und Bässe von ihm, alle aus dem Jahre 1790.
24Geigenzettel: Andreas Thirr / in Preßburg 1798 (geschrieben).
26Thir (Dirr), Anton I. — Preßburg. 1750. 1790
27Er stammte aus Steingaden in Bayern (in der Nähe von Füssen) und scheint zuerst bei seinen Verwandten in Wien gearbeitet zu haben. Um 1750 hat er sich in Preßburg niedergelassen, erlangte dort das Bürgerrecht am 27. Mai 1757 und war mit Barbara Denn (Dähn) verheiratet. Nach 1790 ist er in Preßburg nicht mehr nachweisbar, er dürfte also um diese Zeit gestorben sein. Er ahmte ein hochgewölbtes Stainermodell nach, erinnert manchmal in der Arbeit an Leidolff und hatte einen feurig rotbraunen Lack; nur in seinen jungen Jahren lackierte er seine Geigen fast schwarz. Die Schnecke ist derb, das Holz fast immer sehr schön, der Ton gut, so daß seine Arbeiten mit Recht geschätzt sind. Eine prächtige Violine von 1754 besitzt die ehem. kais. Hofkapelle in Wien.
28Geigenzettel: Antonius Thir Lauten / und Geigenmacher / in Prespurg Anno 1762 (gedruckt).
30Thir, Anton II. — Preßburg. Geb. 6. Oktober 1767 in Preßburg, † nach 1799
31Zweiter Sohn von Anton I Th. Er scheint lange in Schönbach als Geselle gearbeitet zu haben, wo er sich die dortige Arbeitsweise so angewöhnte, daß seine Arbeiten ganz wie die der gleichzeitigen Egerländer aussehen. Vielleicht verarbeitete er auch Schönbacher Schachteln. Da er die Zettel seines gleichnamigen, ungleich geschickteren Vaters verwendete, hat er dem Nachruf des Vaters durch seine oft vorkommenden minderwertigen Arbeiten sehr geschadet, obwohl die Arbeiten beider leicht auseinanderzuhalten sind.
33Thir (Thier), Anton I. — Wien. Geb. um 1765, † 29. Dezember 1837
34Sohn des Mathias Th. Er scheint bei seinem Vater gearbeitet und dessen Geschäft fortgeführt zu haben. Am 22. April 1790 wurde er Wiener Bürger. Er schrieb seinen Namen Thier; die ältesten Arbeiten mit seinem eigenen Zettel stammen aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Seine Geigen sind flach gewölbt, nach einem hübschen Stradivarimodell mit ziemlich

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