Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 536

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

19 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 532. See the scan on archive.org.

1Varquain (Varquin). — Paris. 1742. 1751
2Er wohnte an der Ecke der Rue de Bussy und hat hauptsächlich Leiern gemacht. Eine solche (Vielle) war im South Kens. Mus. 1872 ausgestellt, doch soll er auch Geigen verfertigt haben.
3Geigenzettel: Varquain, Carrefour de Busy / Faubg St. Germain, Paris 1750 (geschrieben).
5Vasallo, Giov., ein Schüler von Grancino, lebte in Mailand
7Vasi, Marco. — Ravenna. 1830
8Nur als Umarbeiter einer Baßviola da Gamba im Kölner Musikhistorischen Museum bekannt geworden.
10Vasváry, István, lebte 1887 als Geigenmacher in Arad und † um 1894
12Vauboam s. Voboam
14Vauchel, Jean Corn. — Offenbach a. M., Mainz, Würzburg, Damm. Geb. 9. März 1782 zu Offenbach a. M.1), † 10. Januar 1856 in Damm bei Aschaffenburg
15Sein eigentlicher Name soll Vauchelle2) gewesen sein; er war der Sohn eines Franzosen, der als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen war und da sein Brot als Graveur zu verdienen suchte. Im Taufprotokoll der ehemaligen deutsch-reformierten Kirchengemeinde Offenbach a. M. steht (1782, S. 280): »Im Jahre Christi Siebzehnhundert und zweiundachtzig, Nachts um 11 Uhr wurde dem Bijouterie-Arbeiter Joseph Vauchel, röm.-kath. von seiner Ehefrau Charlotta Amalia geb. Schmidt, ein Sohn geboren und Sonntags den 10. März getauft, wobei er die Namen Johannes Cornelius erhielt. Gevatterinnen waren: 1. Johanna Vauchel, Grossmutter des Kindes, hinterlassene Wittwe des weiland Weinhändlers zu Paris, Pierre Vauchel, welche bei der Taufe durch Johann Heinrich Pruere, Sohn des verstorbenen Fabrikanten Peter Pruere und seiner Ehefrau Cornelia geb. Schmidt, vertreten wurde, und 2. die genannte Cornelia Pruere geb. Schmidt, Schwester der Mutter des Kindes.« Nach dem Ausbruch der Revolution kehrte der Vater mit seiner Familie wieder nach Paris zurück, wo Jean V. das Geigenmachen erlernte und auch bei Tourte, mit dem er befreundet war, arbeitete. Er scheint dann um 1809 allein nach Deutschland gegangen zu sein und zwar zunächst in seine Geburtsstadt, wo er sich niederließ, und, wie eine im Münchener Privatbesitz befindliche Violine durch ihre Inschrift beweist, Hofgeigenmacher des immer lustigen Königs Jérôme von Westfalen wurde. Wann er nach Würzburg kam, ließ sich nicht feststellen; da er sich aber in einem Gesuch vom 7. April 1823, in dem er um eine neue Wohnung bittet, darauf beruft, daß er schon seit 12 Jahren Hofgeigenmacher sei, muß er schon unter dem Großherzog Ferdinand (1806 bis 1814) nach Würzburg gekommen sein. Dieses Gesuch sowie der ganze handschriftliche Nachlaß Vauchels, der interessante Aufschlüsse über sein Leben gibt, befindet sich als treubehütetes Erbstück bei I. Reiter in Mittenwald. Ob Vauchel vor seiner Niederlassung in Würzburg in Mainz gearbeitet hat, wie behauptet wird, konnte ich nicht ermitteln. Der Vater blieb jedenfalls in Frankreich, denn in einem Schreiben Vauchels heißt es: »Mein Vater Joseph Maria Vauchel entflieht am 27. Dezember 1827.« Er scheint also zu den Feinden des Ministeriums Karls X. gehört zu haben und dürfte seinen Lebensabend bei seinem Sohne beschlossen haben. — Jean Vauchel, der es schnell zu Ansehen und wohlverdienter Anerkennung gebracht hatte, wohnte zuerst bei J. Röder, dann im Johannitergebäude, 1838 in der Teufelstorgasse bei Christoph Pfaff und dann seit 1841 in der Hofstraße im sog. Katzenwicker, wo jetzt ein Realgymnasium (»Maxschule«) steht. Als der Katzenwicker im Jahre 1853 abgebrochen wurde, verließ Vauchel, der stets als sonderbarer Kauz geschildert wird, im Verdruss darüber Würzburg und zog nach dem Dorfe Schweinheim bei Aschaffenburg. Dort verwendete er seine ganze freie Zeit auf die Taubenzucht. Als aber die Schweinheimer Burschen auf seine Tauben schossen, zog er nach Damm und wohnte dort zuerst in der jetzigen Haidstraße Nr. 8 und dann in der jetzigen Mühlstraße Nr. 61 (früher lit. A Nr. 7). In einem Nebengebäude richtete er sich eine Werkstatt ein, in der er mit seinem Gesellen I. Reiter aus Mittenwald, der auch in Schweinheim bei ihm war, fleißig arbeitete. Er vermied selbst mit den nächsten Nachbarn jeden Umgang und verkehrte nur hie und da mit einem Franzosen namens Régnier (oder Renier), der in der Dammer Porzellanfabrik in Stellung war. Auch mit seiner Tochter Katharina hatte er sich überworfen, als diese sich mit einem Musiker namens Kraft nach Stuttgart verheiratete. Seine Frau scheint frühzeitig gestorben zu sein; nach Damm brachte er eine Haushälterin (Babette Schneider) mit, die einen dreijährigen Sohn besaß, als dessen Vater Vauchel bezeichnet wurde. Personen, die sich des Meisters noch erinnern, schildern ihn als einen großen, hageren Mann, der, wenn er ausging, stets einen braunen Zylinder und einen bis tief unter die Knie reichenden, langen Rock trug. Er war sich seines Wertes wohlbewußt und ließ von dem Preise, den er für seine Geigen forderte, keinen Pfennig ab. Als ein Händler einst eine Geige bei ihm bestellte und nachträglich zu feilschen begann, ergriff der leicht zum Zorne gereizte Vauchel seine Arbeit und zerschlug sie in tausend Stücke. Seine Geigen wurden ihm gut bezahlt; Spohr und Paganini schätzten ihn als einen der besten Geigenmacher der Welt, und er konnte behaglich leben. In Damm umgab er sich mit allerlei Geflügel und hatte eine schön eingerichtete Wohnung, in der es mancherlei kostbare Altertümer u. dgl. zu sehen gab. — Seinem letzten Wunsche entsprechend wurde er nicht in Damm, sondern (am 13. Januar 1856) auf dem Friedhofe in Aschaffenburg begraben. Sechs Männer trugen ihn von Damm zum Kapuziner- oder Karlstor nach Aschaffenburg, und von dort begleiteten ihn drei Geistliche zu seiner letzten Ruhestätte. So angesehen Vauchel auch in Künstlerkreisen war, so lebendig sein Andenken in seinen Werken blieb, sein
171) Der Geburtstag wird auch in einem erhaltenen Briefe von der Großmutter des Geigenmachers so angegeben.
182) Auch in den Würzburger Adreßbüchern wird Jean V. in den Jahren 1838—1841 Vauchelle genannt.

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